Kindergottesdienst am Karfreitag, Christuskirche Rülzheim

Thema : Josef von Arimathäa (Markus 15,42-46)

Eingangsreigen

Begrüßung

Lied: Es geht ein Weinen um die Welt (Kindergesangbuch Nr. 55)

Einstieg:

Was tun wir, wenn jemand gestorben ist? Welche Rituale gibt es bei uns?

Sarg, Beerdigung, Blumen auf dem Grab, Trauerfeier, Kreuz am Straßenrand bei einem Unfall, tote Menschen werden schön angezogen, man kann Abschied nehmen…

Erzählung der Geschichte:

„Was ist denn mit dem los?“ wundert sich der Schneider Ephraim. Eben hat er den Ratsherrn freundlich gegrüßt. Aber der hat gar nichts gehört und ist mit gesenktem Kopf schnurstracks an ihm vorbei gelaufen,. „Na ja“, denkt Ephraim, vielleicht geht’s ihm heute nicht gut. Vielleicht hat er schlecht geschlafen.“ Und während er weiter näht fällt im ein: „Stimmt ja, ein Kunde hat mir vorhin erzählt, dass der Hohe Rat heute Nacht zusammenkommen musste. Kein Wunder, dass Josef von Arimathäa heute müde ist.“

Wir recht der Schneider hat. Joseph von Arimathäa ist müde. Aber das alleine ist nicht sein Problem. Sein Kopf tut weh und er ist traurig, wütend, verzweifelt.

Sie hatten heute Nacht eine Ratsversammlung. Alle wurden sie aus ihren Betten geholt und mussten zum Hohenpriester kommen. Es ging um Jesus von Nazareth.

Und bald waren sich die meisten Ratsmitglieder einig: „Der ist uns lästig. Was der sagt, ist Gotteslästerung. Er muss weg und zwar so schnell wie möglich. Er hetzt das ganze Volk auf. Das melden wir den Römern. Die machen dann kurzen Prozess mit ihm und werden ihn gleich zum Tod verurteilen. Dann sind wir ihn los.“

Genauso wurde es gemacht.

Jetzt endlich ist Josef auf dem Weg nach Hause. Er wollte nicht mitgehen, als sie Jesus zu Pilatus brachten. Er hatte Kopfschmerzen. Und er ist so müde. Am liebsten würde er schlafen. Also legt er sich hin.

Aber er kann nicht schlafen. Er wälzt sich in seinem Bett hin und her. Es gehen ihm immer dieselben Gedanken durch den Kopf. Schließlich steht er wieder auf. Er läuft in seinem Haus hin und her. Seine Gedanken kreisen immer um dieselbe Sache:

„Jetzt, vielleicht in diesem Moment muss Jesus von Nazareth sterben. Und ich habe nichts dagegen getan. Hätte ich es verhindern können? Er hat den Tod nicht verdient, aber was hätte ich machen sollen?“

Schon längere Zeit hat Josef Jesus beobachtet. Einige Male war er dabei, wie Jesus gepredigt hat. Er hat von den Wunderheilungen gehört und er hat sich so seine Gedanken gemacht.

Manches war vielleicht ein bisschen wirr, was er gesagt hat. Auch als er im Tempel rumgetobt hat, das konnte ich jetzt wirklich nicht gutheißen. Aber einmal hat Jesus vom Reich Gottes gesprochen. Er hat gesagt: „Das Reich Gottes muss von jedem Menschen aus dem Herzen kommen. Nicht von außen und nicht mit Gewalt.“ Ja, das hat mir gut gefallen. Da habe ich ganz genau gespürt, dieser Mann kommt von Gott. So hat Gott es gemeint. In jedem von uns liegt ein Same, wir müssen ihn nur wachsen lassen.

Aber als ich das heute Nacht in der Ratsversammlung gesagt habe, haben die Anderen mich ganz komisch angesehen. Niemand wollte wirklich zuhören was ich sagen wollte. Sie haben mich nur drohend angeschaut und gefragt: „Du bist doch wohl nicht für diesen Jesus?“ Da bin ruhig gewesen und habe nichts mehr gesagt. Es hätte sowieso nichts genutzt. Oder war ich nur feige?

Auf jeden Fall fühle ich mich jetzt schlecht. Ich habe das Gefühl, ich bin schuldig, dass sie ihn verurteilt haben.

Bestimmt waren sie mit ihm schon bei Pilatus und der hat den Befehl zur Kreuzigung schon gegeben. Die Römer warten da ja nicht lange. Jetzt ist es zu spät, jetzt kann ich nichts mehr für ihn tun. Er ist bestimmt schon tot.

Josef sinkt auf den Boden. Er weint. Er ist traurig und verzweifelt. Was hätte er tun sollen? Hätte er es verhindern können? Immer wieder kreisen seine Gedanken. Aber dann denkt er weiter. Ich kann nichts mehr tun. Jesus ist tot. Und jetzt?

Und da ist plötzlich noch ein Gedanke in seinem Kopf. Was passiert eigentlich jetzt mit ihm, wenn er tot ist?

Normalerweise werden die toten Verbrecher einfach vom Kreuz genommen und irgendwo auf dem Hügel verscharrt. Meistens müssen das die Soldaten machen. Mit diesen Toten will keiner der Lebenden etwas zu tun haben.

Aber doch nicht Jesus. Josef springt auf. Ich konnte nicht verhindern, dass Jesus getötet wurde, aber ich kann doch noch etwas für ihn tun: Ich kann dafür sorgen, dass er ordentlich begraben wird, wie ein anständiger Jude. Würdig.

Ich gebe ihm mein Familiengrab, dass ich vor einiger Zeit habe machen lassen. Meiner Familie wird das zwar nicht gefallen, aber das ist jetzt auch egal. Aber…

Josef stockt. Ich muss es genehmigen lassen. Ich kann den Leichnam nicht einfach abnehmen. Ich brauche die Erlaubnis von Pontius Pilatus.

Also macht sich Josef auf den Weg. Er läuft, er rennt den steilen Weg zur Burg Antonia hinauf. Unterwegs muss er sich einen Moment an die Wand lehnen. Ihm ist ganz schwindelig und er ist außer Atem. Ich muss mich beeilen, das muss heute alles noch vor Sonnenuntergang passieren. ‚Am Sabbat darf man keine toten Menschen anfassen…‘, geht es ihm durch den Kopf.

Und was soll ich Pilatus sagen? Vielleicht fragt er mich, ob ich einer von den Anhängern Jesus bin und lässt mich auch verhaften?

Egal. Ich war heute Nacht feige. Jetzt will ich es versuchen, Gott wird bei mir sein.

Ohne Probleme wird Josef zu Pilatus geführt. Als er Pilatus die Bitte vorträgt, ist dieser ganz überrascht: „Ist dieser Jesus denn schon gestorben? Manchmal hängen die Verbrecher tagelang am Kreuz. Wache, holt mir den Gaius Metellus. Der hat die Hinrichtung beaufsichtigt. Was willst du denn mit der Leiche machen? Tot nützt er dir doch nichts mehr? Bist du auch einer von seinen Anhängern? Aber du gehörst doch zum Hohen Rat. Das sehe ich an deiner Kleidung.“

„Nein“, sagt Josef. „Ich denke aber, dieser Mann aus Nazareth hat ein ordentliches Begräbnis verdient. Bei uns ist es üblich Menschen, die gestorben sind spätestens am nächsten Tag zu begraben. Aber morgen ist Sabbat. Da darf man nicht beerdigen. Wenn du mir Jesus überlässt, werde ich ihn in mein Familiengrab legen. Das ist ganz in der Nähe von Golgatha. Bestimmt schaffe ich es heute noch ihn in die Höhle zu legen. Du tust ein gutes Werk Pilatus, jetzt wo er tot ist kann er dir ja nicht mehr schaden.“

Gaius Metellus kam herein. Hauptmann, ist der Galiläer schon tot?

„Ja Herr“, antwortet der Hauptmann. „Er ist heute Nachmittag gestorben.“

„Dann nimm ihn“, sagt Pilatus. „Begrabe ihn, lege ihn in das Felsengrab, vielleicht habe ich dann endgültig Ruhe vor ihm.“

Josef geht so schnell er kann den Berg von der Burg hinunter. Er hat es geschafft. Er hat die Erlaubnis, Jesus zu begraben. Jetzt aber schnell. Die Sonne steht schon tief. Er kauft in der Stadt ein großes Leinentuch. Darin will er den toten Jesus einwickeln. Nackt begraben zu werden war eine Schande.

Als er auf dem Hügel Golgatha ankommt, sind nur noch ganz wenige Menschen da. Er nimmt den Leichnam Jesu vom Kreuz und wickelt ihn vorsichtig in das große Tuch. Er bringt ihn zum Felsengrab außerhalb von Jerusalem. Wie gut, dass er es hat. Wie gut, dass es jetzt einen guten Zweck erfüllt.

Als Josef den Körper von Jesus in das Grab gelegt hat, betet er das Totengebet. Dann verschließt er das Grab mit einem großen Stein. Dass die ganze Zeit die Frauen in der Nähe waren, hat Josef gar nicht bemerkt. Sie haben ihn beobachtet.

Josef ist froh. Die Sonne geht gerade unter, als er auf dem Weg zurück in die Stadt ist. „Danke Gott, dass ich die Chance bekommen habe, doch noch etwas Gutes für Jesus zu tun. Jetzt hat mein Herz Frieden gefunden.“

Lied: Es geht ein Weinen um die Welt

Gespräch mit den Kindern:

Was war gut, was hat euch an der Geschichte nicht gefallen?

Haben wir auch schon mal etwas falsch gemacht und dann die Chance bekommen es wieder gut zu machen?

Kreativer Teil:

Wir gestalten ein schwarzes Tuch als Grab mit Kerzen und Legematerial

Die Kinder können ergänzend noch einen Grabstein gestalten mit einem Bibelspruch, der wird dann neben das schwarze Tuch gelegt.

Schlussteil:

Gebet:

Guter Gott,
du hast Josef von Arimathäa eine zweite Chance gegeben.
Er hat dafür gesorgt, dass Jesus ein richtiges Grab bekam.
Dafür danken wir dir.
Auch wir bekommen von dir immer wieder eine neue Chance.
Wir können jeden Tag neu mit dir anfangen und gute Dinge tun.
Du hilfst uns dabei.
Danke Gott, dass du uns alle so sehr liebst. Amen

Vaterunser, Ausgangsreigen, Segen.

Geschichte ist angelehnt an einen Entwurf aus dem Buch „Gottesdienste mit Kindern 2010, Handreichungen von Neujahr bis Christfest“ Hrsg. von Adelheid Schnelle

Susanne Hunsicker, Rülzheim

 
 
 

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