Alles hat seine Zeit

Alles im Leben hat seine Zeit:
geboren werden und sterben
einpflanzen und ausreißen
töten und heilen
abreißen und aufbauen
weinen und lachen
klagen und tanzen
Steine werfen und Steine aufsammeln
in den Armen halten und die Umarmung lösen
finden und verlieren
bewahren und wegwerfen
zerreißen und zunähen
schweigen und reden
lieben und hassen
Streit und Frieden. 

Prediger 3,1-8

 

 

Da hat einer das Leben genau beobachtet und sich Gedanken über das gemacht, was er erlebt und gesehen hat. Und der „Prediger“ schließt seine eigenen Gedanke zu dieser ersten Sammlung an und versucht seine Ideen zu ordnen und uns mitzuteilen: Die Zeit unseres Lebens bekommen wir geschenkt. Wir können unsere Zeit nicht „machen“. Wir können über unsere Zeiten von Geburt und Tod nicht bestimmen. Wir können am Ende auch nicht bestimmen, wann die vielen anderen Zeiten im Leben sind. Wir können versuchen, sie zu beeinflussen. Und heute tun viele Menschen so, als ob alles machbar und regelbar wäre. Und doch kommen uns die Momente, in denen wir glücklich oder tief traurig sind, eher zufällig bestimmt vor. Die Worte des Predigers wollen sagen: Vertraut auf Gott, denn die Zeiten unseres Lebens liegen in seiner Hand. Er allein weiß darüber Bescheid. Und er will uns ermuntern, das Leben mit allen Zeiten zu sehen und anzunehmen. Da gehören nicht nur glückliche Stunden dazu, sondern auch traurige, angstvolle, schmerzliche und schließlich Zeiten von Sterben und Tod. Es ist sicher nicht richtig, wenn wir so tun, als ob es diese Zeiten nicht gäbe. Wenn wir nachdenken über unser Sterben, über unsere Fragen und Ängste rund um dieses Thema, wenn wir darüber miteinander reden, dann hat auch der Tod seine Zeit in unserer Lebenszeit. Und dann kommt es nicht so schockierend unvorbereitet über uns, wenn wir keine Zeit mehr haben.

Dass es Zeiten von Werden und Vergehen gibt, erleben Kinder in der Natur. Auch dem Tod begegnen sie, wenn ein Tier stirbt oder tot gefunden wird, wenn Menschen, die sie kennen, sterben. Im Fernsehen oder in den Nachrichten hören und sehen sie davon. Allerdings werden kleine Kinder die Endgültigkeit noch nicht erfassen können. Es würde ihnen auch nicht gut tun. Hoffnungsvoll glauben sie, dass das Kaninchen irgendwann wieder wach wird und die Oma irgendwann wieder kommt. Grundschulkinder entwickeln dann langsam ein Verständnis für die Endgültigkeit des Todes. Das kann sie sehr ängstigen und verunsichern, vor allem wenn andere Verlusterfahrungen oder –ängste dazu kommen. Meistens halten sie – wie auch Erwachsene – die Erkenntnis „auch ich kann sterben“ durch „alle Menschen müssen sterben“ von sich fern. Kinder, die schon früh mit dem Tod konfrontiert wurden, entwickeln diese Vorstellungen früher und setzen sich intensiver mit der eigenen Sterblichkeit auseinander.

In der Regel sind Kinder froh, wenn Erwachsene ihre Fragen zu Sterben und Tod hören und mit ihnen darüber reden. Sie erleben häufig, dass das Thema unangenehm aufgenommen wird, dass Erwachsene verlegen oder ausweichend reagieren. Der Tod ist heute auch nicht mehr so öffentlich, wie er früher war und von der Gemeinschaft getragen wurde. Und so stauen sich die Fragen in den Kindern an und die Phantasien werden unangemessen angsteinflößend.

Alles hat seine Zeit – auch das Reden über Sterben und Tod. Nehmen wir unsere Kinder ernst und gehen wir mit ihnen auf die Suche nach Fragen und Antworten – sofern es überhaupt welche gibt. Und sagen wir nichts, von dem wir nicht überzeugt sind. Auch Erwachsene müssen nicht alles wissen, aber sie sollten bereit sein, eigene Fragen zu stellen und mit den Kindern gemeinsam zu suchen. Was wir glauben, können wir erzählen – aber eben als unseren Glauben und nicht als unumstößliche Tatsache. Dafür sind Kinder dankbar für eine nüchterne Darstellung von Abläufen und Vorgängen, die uns manchmal schon makaber vorkommen. Aber das sind nun wirklich begründete Tatsachen, bei denen man Emotionen außen vor lassen kann. Der Rucksack an Erfahrungen und Gefühlen, der sich im Laufe unseres Lebens gefüllt hat, ist bei den Kindern noch fast leer. Uns macht er das Leben manchmal schwer – die Kinder sind da noch unbelastet und können auf ihre Art viel leichter mit Tod und Sterben umgehen.

 

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