Wenn abends die Frohe Botschaft im Nachttisch fehlt

Hotelketten verzichten vermehrt auf Bibeln auf den Zimmern – Umfrage zeigt gemischtes Bild in der Pfalz – Bestellrückgang beim Gideonbund

Für sie gehört die Bibel nach wie vor dazu: Barbara Eisinger vom Hotel Blaues Haus in Otterberg. Foto: view

Liegt in Hotelzimmern zunehmend seltener aus: Die Bibel, hier ein Exemplar des Gideonbunds Deutschland. Foto: epd

Vor dem Schlafengehen noch in der Bibel blättern, die im Nachttisch liegt, das ist in Pfälzer Hotels zunehmend seltener möglich. Während die Hotel-Bibel für einige Häuser selbstverständlich dazugehört, wird anderswo inzwischen bewusst darauf verzichtet.

Das merkt auch der Gideonbund Deutschland. Er erklärte, dass immer weniger Hotels Bibeln anfragten. So ist die Zahl deutschlandweit von rund 48000 angeforderten Exemplaren im Jahr 2006 auf 29740 im Jahr 2017 gesunken. Die Steigenberger-Gruppe mit Sitz in Frankfurt erklärte, es sei seit 2015 nicht mehr Standard, eine Bibel oder einen Koran ins Zimmer zu legen. Neue Hotels hätten deshalb keine Bibeln mehr. Von Hotels, die die angebotenen, kostenlosen Bibeln ablehnen, bekomme man in der Regel das Argument der „political correctness“ zu hören, sagt Gideonbund-Sprecher Fabian Neumann. In diesem Sinn äußerte sich etwa die Arcor-Hotelgruppe, zu der unter anderem Ibis, Mercure, Novotel und Sofitel gehören.

Stichproben in der Pfalz ergeben ein gespaltenes Bild. Bibeln würden grundsätzlich ausgelegt, das gehöre zur Tradition, ist beispielsweise aus dem Schlossberg-Hotel Homburg zu hören. Regelmäßig durch neue Ausgaben ausgetauscht wird die Bibel auch im Best Western City Hotel in Pirmasens. „Wir kennen es gar nicht anders“, sagt auch Barbara Eisinger vom Hotel Blaues Haus in Otterberg, das auf den Grundmauern eines Klosters steht. „Es gehört einfach dazu, liege nicht an einer besonderen Überzeugung“, argumentiert Carmen Lang vom „Lösch für Freunde“ in Hornbach. Die Bibel zu entfernen, um weltanschaulich neutral zu sein, komme für das Unternehmen nicht in Frage. Hier und im Hotel Kloster Hornbach liegt in jedem Zimmer die Lutherbibel der Deutschen Bibelgesellschaft in der Nachttischschublade. Ein Verzicht auf die Bibel, um Hotelbesucher religiös nicht zu verletzen, kann sich auch das Hotel Restaurant Schweigener Hof nicht vorstellen. „Wir befinden uns ja immerhin in Europa“, teilt eine Mitarbeiterin mit.

Dass Bibeln im Best Western Ludwigshafen ausliegen, will Direktor Steffen Mahle wiederum nicht auf eine christliche Tradition zurückführen. „Es sei eher so, dass sie einfach immer schon dalagen.“ Mahle gibt offen zu, dass er auch keine Bibeln mehr nachlegen würde, wenn eine fehle. Wer sich dafür interessiert, habe selbst eine Bibel dabei, ist sich Mahle sicher. „Als Reisebibel oder auf dem iPad.“ In 30 Jahren habe er kein einziges Mal erlebt, dass die Hotel-Bibel aufgeschlagen offen herumlag. „Das wäre ja auch ein Zeichen, dass sie gelesen wurde.“ Dass die Bibel allerdings durchaus Beachtung findet, zeigt die Studie eines Meinungsforschungsinstituts, auf die der Gideonbund verweist. Demnach würden 23 Prozent aller Hotelbesucher in der Bibel lesen.

Von deren Bedeutung ist allerdings nicht nur Mahle wenig überzeugt. Bibeln lägen schon lange nicht mehr aus, ist auf Anfrage im Hotel Stadt Homburg zu hören. Auch das Alcatraz Hotel in Kaiserslautern oder das Excelsior in Ludwigshafen verzichtet auf Bibeln, genauso wie das Schlosshotel Bergzaberner Hof oder das Park Hotel Schillerhain in Kirchheimbolanden. „Wir haben keinen Nutzen mehr darin gesehen, haben umgestellt auf Tablets in den Zimmern“, sagt eine Mitarbeiterin. Dort könnte man ja jederzeit eine Bibel-App aufspielen. Allerdings habe es bisher keine solchen Anfragen von Gästen gegeben. Der Gideonbund will es Hotels diesbezüglich einfach machen. „Wir arbeiten an einer solchen Bibelversion für elektronische Geräte“, sagt Sprecher Neumann.

In den Tagungshäusern der Evangelischen Kirche der Pfalz gibt es überall Bibeln. Im Butenschön-Haus Landau und in der Tagungsstätte Ebernburg liegen die Bücher in den Zimmern aus. Im Martin-Butzer Haus sind sie in einer Bücherwand zentral im Haus zu finden. „Die würden sonst vielleicht zerfleddern“, sagt Leiter Jan Zeberg. Erst kürzlich hat er neue Bibeln nachbestellt. Die Ausgaben waren veraltet. flor/epd

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