Armut im Ort gerät ins Blickfeld der Öffentlichkeit

Neu gegründeter Herxheimer Tafelverein will Bedürftige in Kürze in der Hauptstraße versorgen – Standort ist einigen Bürgern Dorn im Auge

Soll in Kürze zunächst einmal die Woche öffnen: Die Herxheimer Tafel im ehemaligen Modehaus Daum (rechts). Foto: VAN

In wenigen Wochen soll in Herxheim bei Landau eine Tafel eröffnen. Dass es dazu kam, ist vor allem Ingrid Daum zu verdanken. Die 66-Jährige stand seit 52 Jahren in ihrem Modegeschäft in der Herxheimer Hauptstraße. Jetzt hatte sie die Idee, aus den leer stehenden Räumen ein Sozialkaufhaus zu machen. „Ich habe oft erlebt, dass Leute gerne bei mir eingekauft hätten, aber das Geld nicht gereicht hat“, sagt Daum. Und in ihrer Kirchengemeinde bekam sie mit, wie Erntedankgaben zu Menschen gebracht wurden, die über diese Spenden froh waren. Das Thema Armut liegt ihr am Herzen.

Verbandsbürgermeisterin Hedi Braun brachte sie schließlich auf die Idee einer Tafel. Mehr als 70 Mitglieder hat der jüngst gegründete Verein bereits, Daum ist überwältigt über den Zuspruch. Dazukommen zahlreiche Geldspenden, die Verbandsgemeinde übernimmt für zwei Jahre die Miete für die Räume. Inzwischen hat sich in all die Freude aber auch Kritik gemischt an der Lage der zukünftigen Tafel in der Hauptstraße. In der Zeitung „Die Rheinpfalz“ äu­ßerte sich ein Herxheimer, man solle aus Respekt den „Menschen, die Hilfe benötigen, eine Anlaufstelle in dieser Lage ersparen und sie nicht dem Cappuccino-Schlürfer auf der anderen Straßenseite vorführen“. Ähnliche Mails hat Daum bekommen.

Auch der Verbandsbürgermeisterin schlägt Kritik entgegen. „Es gibt schon den einen oder anderen, der die Tafel lieber am Ortsrand sehen würde“, sagt Braun. Manche hätten statt der Tafel gerne ein attraktives Geschäft an dieser Stelle gehabt. Allerdings habe es gar keine anderen Räume gegeben. Und mit dem Standort verbinde sich ein klares Statement. „So traurig es auch ist, Armut gehört zum Leben“, sagt Braun. Deshalb gehörten die Tafelkunden nicht an den Ortsrand, sondern in dessen Mitte. Rund 700 Menschen haben in Herxheim nach Informationen der Verbandsgemeinde Anspruch, die Tafel zu nutzen, etwa weil sie Grundsicherung beziehen.

Weil den Initiatoren aber durchaus bewusst ist, dass sich manche Menschen dafür schämen, zur Tafel zu gehen – ein weiteres Argument von Kritikern gegen die Lage – wird es Tafelkunden möglich sein, über die Kleiderkammer Lichtblick im ersten Raum des Gebäudes zur Ausgabestelle für Essen zu gelangen. In der Kleiderkammer wiederum können Bürger unabhängig von einer Berechtigungskarte einkaufen. Dazu gibt es einen Seiteneingang, damit sich niemand auf dem Präsentierteller fühlen muss, erklärt Daum. Und schließlich wollen die Ehrenamtlichen einen Bringservice für Menschen anbieten, die sich nicht hertrauen oder nicht mobil sind.

Diese Ideen lobt Sabine Altmeyer-Baumann, Vorsitzende des Landesverbands der Tafeln Rheinland-Pfalz und Saarland und aktiv bei der Bad Kreuznacher Tafel. Unabhängig von der Sorge, ob sich Bedürftige trauen, müsse man aber froh sein, überhaupt eine Örtlichkeit gefunden zu haben. „Tafelprojekte scheitern oft an der Raumfrage.“ Wer die Wahl habe, solle vor allem auf gute Erreichbarkeit achten. „Sobald Tafelkunden größere Fahrten unternehmen müssen, wird das System fragil. Es muss sich rechnen.“ Einen bewussten Verzicht auf einen zentralen Standort hält sie für den falschen Weg. „Ich bin gegen Ausgrenzung.“ Beate Rahm sieht das ähnlich. Die Herxheimer Pfarrerin kennt viele Bezieher von Hartz IV in der Ortsgemeinde. Wichtig werde sein, gerade ältere Menschen zu informieren. Viele wüssten nicht, was ihnen zusteht. Meinungen, die Tafel schade dem Image des Ortskerns, hält sie für sehr bedenklich.

„Eine Einrichtung zur Unterstützung von Menschen sollte in einer sozial geprägten Gesellschaft einem positiven Image nicht abträglich sein“, sagt Christian Roth, der schon lange im Ort lebt. Herxheim sei in dieser Hinsicht vorbildlich. Schließlich befindet sich nur wenige Meter von dem für die Tafel vorgesehenen Gebäude das Alten­zent­rum der Ortsgemeinde. Andernorts baue man solche Einrichtungen auf die grüne Wiese. So gerate auch die Frage des Alterns und damit verbundener Beschwerden häufig aus dem Blickfeld. Nicht so in Herxheim. Florian Riesterer

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