Mehr Mut zum Reden über Religion

von Klaus Koch

Klaus Koch

Es war zu Beginn der 1980er Jahre an einer Hochschule im Südwesten Deutschlands. Der Pfarrer einer Evangelischen Hochschulgemeinde hielt eine flammende Rede gegen die Nato-Nachrüstung und für den Frieden. Das habe er ganz prima gemacht, sagte hinterher ein Student. Keiner habe gemerkt, dass er Pfarrer sei. Da war die Säkularisierung schon weit fortgeschritten. Religion verschwand immer mehr aus dem öffentlichen Raum, wurde Privatsache. Und die Kirchen nahmen es hin. Mancher Theologiestudent schrieb sich noch für ein zweites Fach ein. Vorsichtshalber, falls demnächst keine Theologen mehr gebraucht würden.

Inzwischen ist Religion längst keine Privatsache mehr. Menschen sprengen mit religiösen Ausrufen auf den Lippen andere Menschen in die Luft. Und im Gegenzug formieren sich Protestmärsche, die ihren dumpfen Hass auf alles Fremde mit der christlich-jüdischen Tradition des Abendlands verbrämen wollen. Religion ist wieder im öffentlichen Raum angekommen. Allerdings nicht so, wie es die Kirchen gerne hätten.

Aber die Kirchen müssen reagieren. Einen bemerkenswerten Anstoß dazu hat Thomas Niederberger, Beauftragter der Landeskirche für den Religionsunterricht, gegeben. Wenn Christen das öffentliche Reden über Religion und Gott nicht den Extremisten überlassen wollen, ist es an der Zeit, über die Debatten zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hinaus wieder stärker öffentlich wahrnehmbar zu werden. Vielen Christen fällt es nach einer jahrzehntelangen Säkularisierung schwer, über Religion, Glaube und Gott zu reden. Religionslehrer, Pfarrer und Kirchenleitungen könnten sie ermutigen, wenn sie dies in der Öffentlichkeit wieder öfter tun. Bedarf ist da.

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