Vielerorts wird an der Zukunft der Kirche gearbeitet

Bis 2025 fallen weitere 46 Pfarrstellen weg – Personal soll gerecht über alle Bezirke verteilt werden – Partizipation der Gemeinden wichtig

War 200 Jahre lang Sitz eines Pfarramts: Einöllen im Kirchenbezirk "An Alsenz und Lauter" gehört jetzt zum Pfarramt Lauterecken. Foto: Sayer

Kirche im Aufbruch: Im bezirk Germersheim hat ein Veränderungsprozess begonnen, der alle Gemeinden einbeziehen soll. Foto: pv

Die Herausforderung für die Bezirke der pfälzischen Landeskirche ist groß. Bis 2025 soll die Zahl der Gemeindepfarrstellen von 292 auf 246 sinken. Dann wird es seit Beginn der Budgetierung im Jahr 2001 über 100 Gemeindepfarrstellen weniger geben. Für Oberkirchenrätin Marianne Wagner geht es bei dieser Entwicklung nicht nur ums Sparen. „Die grundlegende Frage ist: Wie wollen wir in Zukunft Kirche sein.“

In diesem Veränderungsprozess biete die Landeskirche den Bezirken Unterstützung an, sagt die fürs theologische Personal und die Perspektivarbeit zuständige Dezernentin. Moderatoren und Berater werden bezahlt und die Landessynode habe die Möglichkeit von Erprobungsräumen geschaffen, in denen unterschiedliche Modelle kirchlicher Arbeit auch mit dem Risiko des Scheiterns ausprobiert werden können. Inzwischen seien so spannende partizipative Projekte entstanden.

Derzeit versuche die Landeskirche, jährlich zehn Vikare in den Pfarrdienst zu übernehmen, sagt Wagner. Auch geeignete Kollegen aus anderen Landeskirchen seien willkommen, um die hohe Zahl der Ruhestandsversetzungen in den kommenden Jahren zumindest teilweise aufzufangen. Denn es gehe bei den Stellenkürzungen nicht nur ums Sparen, sondern auch ums gerechte Verteilen des vorhandenen Personals.

Am stärksten betroffen von den Kürzungen ist der größte Bezirk „An Alsenz und Lauter“. Von 34 Pfarrstellen sollen sieben wegfallen. „Vier bis fünf kriegen wir hin“, sagt Dekan Matthias Schwarz. Dann werde es sehr schwer. Vor allem in kleinen Orten wüssten die Menschen, dass ihr Pfarramt auf Dauer nicht bleiben könne, sagt Schwarz. So sei es in Einöllen mit seinen rund 650 Protestanten gewesen. Der Bezirkskirchenrat hätte gerne gesehen, dass die Gemeinde zu Wolfstein kommt. Das Presbyterium wollte aber zu Lauterecken. So wurde es auch gemacht. Beim ersten gemeinsamen Gottesdienst habe es dann sogar eine kleine Aufbruchstimmung gegeben, weil die Gemeindemitglieder Zukunftssicherheit verspürten.

Schwarz ist klar, dass die Reduzierung von Stellen auch nach 2025 weitergehen wird. Dann müsse das Modell, nachdem die Verteilung errechnet wird, um einen regionalen Faktor ergänzt werden. Zurzeit sieht die Rechnung etwa 1900 Gemeindemitglieder pro Pfarrer vor. Das sei nicht zu leisten, wenn diese 1900 über mehrere kleine Dörfer verteilt sind. Deshalb sei Kooperation wichtig. Nicht jeder Pfarrer müsse alle Angebote aufrechterhalten.

Im Kirchenbezirk Germersheim ist die Stellenreduzierung nicht ganz so schwierig. Zwei Stellen müssten eingespart werden, sagt Dekan Claus Müller. „Damit haben wir gerechnet.“ Dennoch hat Müller den Prozess „Kirche im Aufbruch“ gestartet, weil viele Aufgaben gleichzeitig anstünden: Stellenbudget, Verwaltungshilfen für die Pfarrer, Kooperationen und das Management der langfristig zu vielen Kirchengebäude. Das Projekt soll diese Fäden zusammenbinden und Gesamtkonzepte entwickeln.

Nach einem Impulstag in Kandel sollen in den Gemeinden Vorschläge und Leitbilder diskutiert werden. Die Vorstellungen der Gemeinden werden dann wieder in den Bezirk zurückgespiegelt. Jede Gemeinde soll sich so über ihre Zukunft Gedanken machen und dabei gleichzeitig den Blick auf den ganzen Kirchenbezirk richten.

Das Ziel, die Kirche in der Region zu behalten, verfolgt auch Pfarrer Walter Becker. Er ist mit einer halben Stelle im Bezirk Pirmasens für die Regionalisierung zuständig. Er sorgt dafür, dass die Gemeinden verschiedene Formen der Zusammenarbeit ausprobieren. In der Kooperationszone West sei es dadurch zur Zusammenarbeit beim Gemeindebrief gekommen. Jetzt werde ein Brief für 6000 Gemeindemitglieder erstellt.

Andernorts sei das Geschäft mitunter mühsam, weil in manchen Kirchengemeinden das Beharrungsvermögen noch groß ist. Dennoch ist der Pfarrer verhalten optimistisch, dass in der Landeskirche Modelle entwickelt werden, die auch nach 2025 tragfähig sind. Dann, so Becker, „werden wir nicht nur das Elend verwalten, sondern auch Freude an der Kirche und an der Arbeit in ihr haben“. Klaus Koch

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