Die Weihnachtsgeschichte als Mutmach-Geschichte

Marias Baby: Anouk und Erik aus Wörth spielen die Rollen von Maria und Josef.
Marias Baby: Anouk und Erik aus Wörth spielen die Rollen von Maria und Josef.

Maria wischt sich nachdenklich über die Augen. Was war denn jetzt das? Wer war das? Eine Nachricht von Gott? Sind es nicht Engel, die Nachrichten von Gott bringen? Dann war das wohl ein Engel, der da zu ihr ins Haus gekommen ist. Und wieder hört sie seine Stimme in ihrem Kopf und in ihrem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut. Gott hat eine große Aufgabe für dich!“

Eine Aufgabe für mich – Maria kann es immer noch nicht fassen. Wie soll sie das nur schaffen? „Warum ich?“, denkt sie. „Ich bin doch nichts Besonderes. Ich komme aus einer armen Familie, habe nichts Tolles gelernt. Wie soll ich jetzt die Mutter des Messias werden? Wieso soll mein Kind jetzt der sein, auf den alle Menschen schon so lange warten?“

Maria sitzt auf dem Boden und lässt den Kopf hängen. Und wieder hört sie die Stimme des Engels in ihrem Kopf und in ihrem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut!“ Und sie holt tief Luft, steht auf und macht sich an das Abendessen für Josef und für sie.

Und Josef hat Mühe, ihre Geschichte zu glauben. Kauend sitzt er da, hält den Löffel in der Hand und sagt erst einmal nichts. Dann lächelt er: „Du hast sicher geträumt.“ Aber Maria schüttelt den Kopf. „Aber wie soll das gehen?“, fragt Josef. „Ich bin nur ein Zimmermann. Ich kann dem Retter der Menschen doch gar nichts bieten. Ein kleines Zuhause, einfaches Essen, einfache Menschen um ihn her. Ist das die richtige Umgebung für einen König, für das Gotteskind?“ Und Maria sagt aus tiefem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut.“ Maria muss sich das in der nächsten Zeit ganz oft sagen: Und wieder hört sie seine Stimme in ihrem Kopf und in ihrem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut. Der Engel hat es mir gesagt.“ Und das hilft ihr und hilft Josef, wenn die Arbeit mal wieder schwer ist und das Essen ein bisschen zu wenig und Marias Bauch immer dicker wird, weil das Kind in ihr wächst.

Aber eines Tages kommt Josef ganz aufgeregt nach Hause: „Auch das noch. Was für ein Unglück! Das wird dem Kind und dir nicht guttun!“ Besorgt schaut er auf Maria und lässt die Schultern hängen. „Ich wusste, dass wir das nicht packen.“ „Aber was ist denn passiert?, fragt Maria. Und schützend hält sie sich den Bauch. Das Kind ist schon richtig groß in ihrem Bauch. Bald wird es zur Welt kommen. „Der Kaiser“, stammelt Josef, „stell dir vor, was für eine Idee er wieder hatte. Weil er noch mehr Geld von uns braucht, will er genau wissen, wie viele Menschen ihm Geld geben könnten. Dafür sollen wir alle dorthin gehen, wo wir geboren sind und noch Felder besitzen oder erben werden. Maria, wir müssen den weiten Weg nach Bethlehem wandern.“ „Das ist doch nicht schlimm.“ Maria ist ganz ruhig. „Wenn das Kind da ist, wollen wir doch sowieso zu unserer Verwandtschaft und es ihnen zeigen. Dann erledigen wir auch das Finanzamt.“ „Das denkst du!“, Josef schreit es fast. „Jetzt sofort sollen wir uns auf den Weg machen. Und wenn das Kind dann kommt? Unterwegs in den Bergen? Das ist viel zu gefährlich für euch beide.“ Maria ist jetzt doch erschrocken. Und dann hört sie die Stimme des Engels in ihrem Kopf und in ihrem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut!“ Und sie holt tief Luft, steht auf und sagt zu Josef: „Hab keine Angst. Es wird alles gut! Der Engel hat es mir versprochen.“ Und dann beginnen sie zu packen.

Am nächsten Morgen machen sie sich auf den Weg. Und es ist wirklich mühsam. Maria kann nur langsam gehen mit dem dicken Bauch. Und Josef schaut sich immer wieder um, denn er hat Angst. Niemand sollte so langsam und allein auf diesem Weg gehen. Dafür gibt es zu viele Menschen, die anderen Böses antun. Aber Maria hält seine Hand und sagt: „Hab keine Angst. Es wird alles gut! Der Engel hat es mir versprochen.“

Und so kommen sie spät am Abend nach Bethlehem. Josef kennt sich aus. Er weiß, wo die Herberge ist. Dort gehen sie hin und Maria ist wirklich froh, dass sie sich bald hinlegen kann. Aber, was für ein Unglück: Es gibt keinen Platz mehr in der Herberge. Alles ist voll. Sind denn so viele Menschen unterwegs? „Was machen wir denn nun?“, Josef schaut seine Maria an und überlegt fieberhaft. „Es wird alles gut.“, flüstert Maria. Da geht die Türe der herberge auf und ein Kind schaut heraus. „Ich weiß, wo noch Platz für euch ist.“, sagt der kleine Hirtenjunge und winkt sie hinter sich her. Josef nimmt das Bündel auf und seine Maria am Arm und sie folgen der Laterne, die an der Mauer der Karawanserei vorbei zieht auf die Rückseite. Dort ist ein kleiner Stall. Tiere sind keine da, aber viel Heu und Stroh. Und Maria lässt sich auf einen Heuhaufen sinken. Josef breitet eine Decke aus und sie legt sich darauf: „Hab keine Angst. Es wird alles gut! Der Engel hat es mir versprochen.“ sagt Maria erleichtert. In dieser Nacht wird das Kind geboren. Und sie wickeln es in die Windeln, die Maria mitgenommen hatte und legen es in die Futterkrippe, die dort steht. Josef sitzt daneben. Erschöpft schläft er ein. Maria schaut im Licht der Laterne ihre kleine Familie an. „Das ist jetzt das Gotteskind“, denkt sie. Und gerade will ihr wieder unheimlich werden, da hört sie die Engel-Stimme in ihrem Kopf und in ihrem Herzen: „Hab keine Angst. Es wird alles gut.“

 

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