Bibellese

Sonntag, 12. August, Psalm 148

So weit Himmel und Erde ist

Der Psalmist ruft alle Geschöpfe dazu auf, die Herrlichkeit des Schöpfers zu besingen. Sie reicht, „so weit Himmel und Erde ist“. In seiner Güte hat Gott der Welt eine Ordnung gegeben, auf sein Wort hin hat sie Bestand, aus seiner Gnade lebt sie. Der Mensch, der vernunftbegabt ist, kann diese Gesetze der Natur und die empfindlichen Gleichgewichte unter den Geschöpfen auf dieser Welt erkennen. Er ist aufgerufen, die Schöpfung mit ihren inneren Gesetzen zu respektieren. Das Lob der Schöpfung schließt Verantwortung und Ehrfurcht dem Leben gegenüber ein. Psalm 148 war die Grundlage, auf der Franz von Assisi seinen berühmten „Sonnengesang“ gedichtet hat. Das Lob von allem Geschaffenen ist von der Hoffnung getragen, dass Gott seine ganze Schöpfung zur Vollendung führen und von ihren Leiden erlösen wird. Gemeinsam mit allen Geschöpfen gehen wir auf das gemeinsame Ziel zu, das Gott selbst ist (1. Korinther 15, 28). Die Liebe Gottes ist der fundamentale Beweggrund der gesamten Schöpfung.

Montag, 13. August, Johannes 10, 11–21

Sein Leben für die Freunde geben

Jesus gibt sich in seiner letzten Offenbarungsrede als „der gute Hirte“ zu erkennen. Als „redliche oder treue Hirten“ bezeichneten sich die Könige im Zweistromland, in Ägypten symbolisierte der gekrümmte Hirtenstab das Herrschaftssymbol der Pharaonen, und auch in Israel war das Bild des Hirten für die Könige geläufig. In diesen Kontext stellt sich Jesus. Der gute Hirte setzt sein Leben für seine Schafe ein. Ihm geht es allein um ihr Wohl und um ihren Schutz. Damit unterscheidet er sich vom Tagelöhner, vom Mietling. Der Hirte Jesu und die Seinen haben eine besondere Beziehung, so wie Gott und Jesus. Die Bereitschaft Jesu, für die Seinen zu sterben, entspricht seiner Beziehung zu Gott. Der wahre Hirte Jesus sammelt nicht nur die Schafe eines einzigen Hofs, Israel, sondern die der ganzen Welt. Der Tod Jesu ist untrennbar mit seiner Auferstehung verbunden. Sein Kreuz ist Erhöhung, Rückkehr zum Vater und Weg zum Leben. Die Rede Jesu führt zu einer weiteren Scheidung unter den „Juden“, den religiösen Autoritäten. Die einen sehen ihn als Besessenen, den anderen sind durch die Heilung des Blindgeborenen die Augen geöffnet worden.

Dienstag, 14. August, Johannes 10, 22–30

Jesus erkennen und an ihn glauben

Der Rahmen der Erzählung wird durch den jüdischen Festkalender bestimmt. Das Tempelweihfest folgt auf das Laubhüttenfest. Mit der Teilnahme Jesu an diesem Fest ist das Ende seines öffentlichen Wirkens erreicht. Jesus befindet sich weiterhin in Jerusalem. In den Versen 24 bis 31 geht es um die messianische Identität Jesu. Die Juden stellen die Frage an Jesus, wer er sei. Die Szene ist ein Rechtsstreit. Jesus ist angeklagt, er soll sich gegenüber den religiösen Autoritäten rechtfertigen. Jesus weigert sich, dieser Aufforderung nachzukommen. Jesus verweist auf seine Beziehung zu Gott und stellt seine Einheit mit dem Vater heraus. Einmal hat er sich zu diesem Thema schon geäußert, andererseits haben die Gegner sich im Unglauben eingeschlossen. Seine Werke offenbaren seine einzigartige Beziehung zum Vater. Aber das glauben nur diejenigen, die ihn als Christus, als Messias erkennen. Der einzige Schlüssel, um den Sinn des Handelns Jesu zu deuten, ist der österliche Rückblick. Indem Jesus das Werk Gotts vollbringt, ist er eins mit ihm, es ist also nicht eine Wesenseinheit, sondern an eine Einheit im Wirken gedacht. Jesus ist das Angesicht Gottes in der Welt.

Mitwoch, 15. August, Johannes 10, 31–42

Jesus in Gott und Gott in ihm

Warum glauben die Menschen nicht an Jesus? Es wird ihm vorgeworfen, dass er sich selbst mit Gott gleichsetzt. Er spricht von sich selbst als vom Vater gesandten Sohn Gottes, und er sagt, dass Gott in ihm ist und er in Gott. Jesus verteidigt sich mit einem Zitat aus Psalm 82, 6 und bezieht die Aussage „ihr seid Götter“ auf das Volk Israel („zu denen das Wort Gottes geschah“). Jesus verweist auf seine Werke. Wenn er nicht die Werke seines Vaters tun würde, wäre er des Vertrauens unwürdig. Seine Widersacher sind eingeladen, seinen Werken Glauben zu schenken. Der Vater ist im Sohn, indem Jesus Gott in der Welt repräsentiert. Der Sohn ist im Vater, indem er nichts aus sich selbst tut, sondern die Worte des Vaters spricht und seine Werke tut. Die gegenseitige Einwohnung des Vaters und des Sohnes ist eine grundlegende Neuinterpretation des biblischen Monotheismus. Vergeblich versuchen die Gegner Jesus zu verhaften. Indem er sich auf die andere Seite des Jordans entzieht, endet der dritte Aufenthalt in Jerusalem und das öffentliche Auftreten Jesu dort, wo es begonnen hat, in Bethanien. Ludger Mandelbaum

Donnerstag, 16. August, 1. Johannes 1, 1–4

Ansteckende Freude

Da spricht jemand voller Begeisterung von dem, was Grundlage des Lebens für uns sein kann. Diese Person will uns davon überzeugen, dass wir alle Anteil am wahren Leben haben können. Mit hineingenommen sollen wir werden, in diese beglückende Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Mich macht diese Einleitung richtig neugierig. Wenn ein Mensch so voller Überzeugung ist, so voller Freude, dann muss er doch etwas wirklich Beeindruckendes erlebt haben. Die Freude, die der 1. Johannesbrief ausdrückt, wirkt ansteckend. Wir sollen es auch alle erleben können, wie erfüllt unser Leben sein kann, wenn wir darauf vertrauen, dass die göttliche Liebeskraft in einem Menschen Gestalt angenommen hat und Hand und Fuß bekommen hat und einen Mund, der gesprochen hat und dessen Worte und Gedanken bis heute überliefert sind. Und wir alle, wenn wir uns nach dem wahren Leben sehnen, wir können uns an ihm orientieren, nämlich an Jesus Christus. Dann können auch wir es erfahren, dass Gott Leben gibt.

Freitag, 17. August, 1. Johannes 1, 5–10

Am Licht teilhaben

Der Dunkelheit entsprechend leben, das will doch wohl kein Mensch. Auch wenn wir vieles um uns herum manchmal als ziemlich finster und aussichtslos empfinden. Manchmal habe ich das Gefühl, ich könnte sowieso nichts verändern, wirkliche Macht haben ganz andere, und ich würde mich gerne auf eine Insel privaten Glücks zurückziehen. Oder mich im Kreise Gleichgesinnter in der Kirchengemeinde oder in der sogenannten Blase bei Facebook bewegen, wo ich meine Meinung immer bestätigt bekomme und ich mich dabei wohlfühlen kann. Sollen doch andere die große Politik machen. Da spüre ich aber, dass etwas nicht richtig ist an meiner Einstellung. Ich kann nicht ruhig schlafen, wenn ich daran denke, dass mich Kinder irgendwann fragen könnten: Warum habt ihr nichts dagegen getan? Wir dürfen ruhig ehrlich mit uns selbst und anderen sein und zugeben, dass wir nicht immer das Richtige tun. Ich darf zugeben, dass ich gar nicht immer so glaubensstark bin und mich manchmal ganz schön weit entfernt von Gott fühle. Gott will uns trotzdem am Licht teilhaben lassen.

Samstag, 18. August, 1. Johannes 2, 1–6

Überwindung der Gottferne

Zu unserem Leben gehört einfach auch dazu, dass wir es sehr unterschiedlich erleben, wie nah Gott uns ist. Es gibt Zeiten, da fühlen wir uns geborgen und beschützt. Und es gibt Zeiten, da fühlen wir uns unendlich weit weg von Gott, sogar bis hin zu der Frage: Gibt es Gott überhaupt? Diese Gottferne führt uns auch dazu, Dinge zu tun, die uns selbst und anderen schaden. Es ist manchmal schwer zu wissen, was richtig und was falsch ist. Der Glaube an Jesus Christus bringt uns Gott näher, sagt der Johannesbrief. Wie schaffen wir es jedoch, im Sinne Jesu zu leben, obwohl manchmal alles dagegenspricht? Wie gehen wir mit all den Widersprüchen in der Welt um? Wie gelingt es uns, weiterhin an die Liebe zu glauben, obwohl wir schon so oft enttäuscht worden sind? Und obwohl es manchmal so aussieht, als ob nur Macht, Geld und Gewalt herrschen würden. Der 1. Johannesbrief will uns Mut machen und sagen: Ihr werdet alle geliebt. Gott hat euch lieb. Darauf könnt ihr euch verlassen. Gott hat den ersten Schritt getan. Gott hat Jesus geschickt zur Überwindung unserer Gottferne. Martina Horak-Werz