Pfingsten – eine Geschichte mit sieben Siegeln?

Pfingsten als Bodenbild mit Biegepüppchen...
Pfingsten als Bodenbild mit Biegepüppchen...
im Stuhlkreis
im Stuhlkreis

Annette Buckel, Protestantische Kindertagesstätte Schützenhof, Landau

Aus vielen Ideen wurde eine ganze Pfingstwoche, die uns noch lange danach beschäftigte und bewegte.

Am ersten Tag wiederholten wir die Osterwoche und Ostern. Mit Biegepüppchen, verschiedenen Legematerialen und Tüchern stellten wir die einzelnen Szenen der Osterwoche dar:

Der Einzug Jesu nach Jerusalem, das letzte Abendmahl, der Verrat, die Verurteilung/Kreuzigung und das leere Grab. Die Kinder spürten die Traurigkeit, die Verzweiflung, die Schuld, aber auch das Gefühl beim Innehalten am leeren Grab.

Plötzlich rief ein Kind: „Aber Jesus hatte doch allen ein Versprechen gegeben.“ Weitere Beiträge der Kinder waren: „Ja, er hat gesagt, er ist nicht ganz weg“, „Die Menschen haben noch an ihn gedacht“, „Aber sie waren so traurig“, „Der Jesus war noch da - irgendwie“...

Ja, Jesus hatte den Menschen ein Versprechen gegeben: „Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“

Am nächsten Tag forderte ich die Kinder auf, das Versprechen Jesu zu deuten. Als Anregung gab ich einige Impulse. Wie kann Jesus bei den Menschen sein, wenn er doch gestorben ist? Man kann ihn doch gar nicht sehen! Was wir nicht sehen können, ist auch nicht da, oder?

Ich wurde von einer Welle der Entrüstung überrollt: „Natürlich gibt es Dinge, die wir nicht sehen können und die trotzdem da sind“. Wind wurde genannt, Wärme und Liebe. Ein Kind erzählte von seinem Opa, der gestorben war, aber der ganz nah ist, wenn man an ihn denkt. Ein anderes Kind erzählte von seiner Mama und wie es sie spüren kann, wenn es Heimweh hat. Es wurde von verstorbenen Tieren erzählt und den gemeinsamen Erlebnissen, die heute noch spürbar sind.

Die Kinder fanden über ihre eigenen Erfahrungen von Unsichtbarem - wie die oben genannt - zu der Bedeutung des Heiligen Geistes. Die Menschen spüren Jesus, wenn sie gut zueinander sind, wenn sie in Frieden zusammenleben, wenn sie miteinander teilen, sich gegenseitig helfen und trösten. Dann ist Jesus in ihrem Herzen. Ganz nah!

Die Pfingstgeschichte erzählte ich am darauf folgenden Tag. Zuerst legten die Kinder die Geschichte wieder mit Tüchern, Materialien und Biegepüppchen. Über die Puppen begaben sie sich selbst in die Rolle der Jünger und Jüngerinnen:

Als die Jünger traurig und verzweifelt in ihrem Haus versammelt waren, stand Maria auf und sagte: „Warum seid ihr so traurig? Habt Ihr vergessen, was Jesus uns versprochen hat? Er hat gesagt, er schickt uns eine große Kraft, die uns mutig und stark macht! Kommt! Wir bitten um den Geist Gottes!“

Gemeinsam sangen wir mehrmals: „Komm, o komm, komm du Kraft, Kraft, die Mut uns macht.“ In der biblischen Geschichte wird erzählt, dass die Jünger vom Geist Gottes erfüllt wurden. Und etwas von dieser Begeisterung übertrug sich in diesem Moment auch auf die Kinder und mich.

Die Begeisterung war in den Gesichtern der Kinder zu sehen und ich selbst war ergriffen von der besonderen Atmosphäre.

Am Donnerstag schlüpften die Kinder in einer feierlichen Andacht selbst in die Rolle der Jünger. Und Gott war da, unter uns. Der Heilige Geist und die Kraft, die von ihm ausgeht, war zu spüren.

Wie nah Gott ist, wenn man unter Kindern ist!

In ausdrucksstarken Bildern, die die Kinder am nächsten Tag malten, wurden die Erlebnisse und Emotionen festgehalten.

Für die Kinder und mich war diese Woche ein unvergessliches Erleben von Pfingsten. Viele Gespräche danach zwischen den Kindern, mit Eltern und Kolleginnen zeigten, wie wichtig religionspädagogische Arbeit in Kindertagesstätten ist und wie sie nicht nur die Kinder, sondern auch uns bereichert, erfüllt und begeistert.

 

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