Warum taufen wir?

Was ist Taufe – Grundsätzliches in einem fiktiven Gespräch

von Urd Rust

Zwei Presbyterinnen unterhalten sich:

A: Am Sonntag ist ein erwachsener Mann getauft worden. Das war irgendwie besonders. Der brauchte keine Paten Der konnte selbst alles selbst sagen. Das war schon ungewöhnlich. Aber na ja, Taufe ist Taufe, oder?

B: Taufe ist Taufe, stimmt! Aber wenn dich jemand fragt: Warum taufen wir eigent­lich? Was sagst du dann?

A: Na ja, weil Christen eben getauft werden. Und Jesus selbst ist doch auch ge­tauft worden, damals am Jordan – von Johannes. Das steht doch in der Bibel. Und Jesus hat dann den Auftrag gegeben: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ So steht es im so genannten Taufbefehl bei Matthäus 28,16-20. Wenn wir taufen, dann halten wir uns also an diese Aufforderung.

B: Bei uns werden ja meistens Kinder getauft. Aber am Sonntag haben wir eben mal erlebt, dass ein Erwachsener getauft wurde. Der hat dann selbst sagen können, dass er zu Gott gehört und hat auch selbst seinen Kopf über die Taufschale gehalten. Ich glaube, der hat auch vorher so eine Art Unterricht gehabt und kann dann auch beschreiben, was er glaubt. Aber das können Kinder doch noch nicht. Warum taufen wir dann eigentlich Kinder?

A: Hm. Die Taufe ist doch Gottes Geschenk an uns. Deshalb müssen wir vielleicht gar nichts dazu mitbringen, weißt du. Wenn man sagt: „Zuerst braucht es be­stimmte Fähigkeiten und Kenntnisse, Glaubenszeugnisse oder so, dann erst kann getauft werden“, dann knüpfen wir ja Bedingungen an dieses Geschenk. Dann ist es nicht mehr Gottes großes Geschenk an uns.

B: Du meinst, in der Taufe schenkt uns Gott sein Versprechen: Du gehörst zu mir. Und dafür müssen wir gar nichts bringen. Dann geht das auch bei Kindern, klar!

A: Zunächst mal braucht es nichts. Aber dann sind ja die Patinnen und Paten und die Eltern der Kinder dabei. Schließlich versprechen sie bei der Taufe, das Kind christlich zu erziehen.

B: Und das bedeutet?

A: Na ja, zunächst mal sollten sie von der Taufe erzählen und von Gott erzählen. Sie sollten miteinander beten und miteinander lernen, wie man mit Gott lebt.

B: Das ist ganz schön anspruchsvoll, wenn man so unsere Eltern anschaut. Viel­leicht können die das gar nicht mehr.

A: Vielleicht ist das ja der Grund, warum wir über Taufe reden sollen. Vielleicht müssen wir ja etwas verändern, wenn das mit dem Gottesgeschenk auch noch deutlich werden soll.

B: Eigentlich ist es am deutlichsten, wenn Kinder getauft werden. Dann wird ganz klar, was Gott für ein großes Geschenk an uns macht.

A: Schon, aber es bleibt das Problem: Wie kann das Kind das wissen? Da finde ich es gut, wenn die Kinder mit drei, sechs oder zwölf Jahren getauft werden.

B: Und dann kann den Kindern erklärt werden, wie die Taufe abläuft: „Du wirst dreimal mit Wasser übergossen und dazu wird gesagt: „Ich taufe dich im Na­men des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“ Das Kind wird dreimal mit einer Hand voll Wasser übergossen, denn das Wasser hat eine ganz besondere Bedeutung: Es reinigt, es wäscht alles ab, was uns Menschen von Gott trennt. Es ist das Symbol des Lebens aber auch das Symbol für die Gefahr, aus der Gott uns errettet.

A: Na ja, wichtig ist wahrscheinlich, dass der Name Gottes zugesprochen und das Kind gesegnet wird. Und dann finde ich noch wichtig, dass die Eltern einen Taufspruch ausgesucht haben. Das ist wie so ein biblisches Lebensmotto.

B: Stimmt, aber ich habe keinen Taufspruch. Früher gab es so etwas nicht. Tauf­kerzen gibt es bei uns ja auch noch nicht so lange. Aber die finde ich auch gut. Weil das immer so Erinnerungsstücke sind, nach denen Kinder fragen können. Und dann kommt die Taufe zur Sprache. Und wenn die Kerze von der Gemein­de geschenkt wurde, dann wird noch etwas anderes deutlich: Mit der Gemeinde geschieht ja auch etwas bei der Taufe. Sie wächst! Denn der Täufling gehört durch die Taufe nun zur Gemeinde dazu. Und das wird deutlich dadurch, dass in einem ganz normalen Sonntagsgottesdienst getauft wird.

A: Aber das allein kann es nicht sein, oder? Es gibt auch Taufgottesdienste, an de­nen ausschließlich die Familie teilnimmt. Wo ist da die Gemeinde? Ich meine, allein die Platzierung einer Taufe im Gottesdienst reicht nicht aus um die Zuge­hörigkeit des Kindes zur Gemeinde zu verdeutlichen.

B: Bei uns wird die Gemeinde gefragt: „Wollt ihr das Kind in der Mitte der Gemein­de aufnehmen?“ Das ist doch deutlich, oder?

A: Schon, aber wenn nun die Tauffamilie gar nicht in der Gemeinde wohnt? Es bleibt immer noch die Frage nach der Bedeutung von „in der Gemeinde aufneh­men“. Was ist das konkrete Angebot der Gemeinde?

B: Aber sie können doch kommen, jeden Sonntag in jeden Gottesdienst. Und eine Krabbelguppe haben wir auch - soweit ich weiß.

A: Wir hatten doch schon einmal das Thema „Eltern können das heute nicht mehr“. Und da ist auch immer noch ungeklärt, wer denn jetzt die getauften Kinder auf ihrem Weg als Christen begleiten soll, falls es die Eltern und Paten nicht tun. Und hier frage ich wieder: Wer ermöglicht es den Kindern und ihren Familien, in die Gemeinde hinein zu wachsen?

B: Sie brauchen doch nur zu kommen. Allerdings sollten sie sich an unsere Gepflo­genheiten anpassen. Sonst wird es ja chaotisch.

A: Sie kommen aber nicht, weil sie das wissen. Sie kennen die Regeln nicht und sind deshalb unerwünscht. Warst du schon mal mit einem einjährigen Kind im Gottesdienst? Da gehst du so schnell nicht mehr hin, wenn es nicht zufällig ru­hig war, weil es die ganze Zeit geschlafen hat.

B: Was willst du eigentlich? Sollen wir alles umkrempeln wegen denen, die ihre Kinder nicht erziehen können?

A: Nein, ich meine nur, dass wir es nicht verurteilen sollen, wenn immer mehr El­tern von religiöser Erziehung keine Ahnung haben. Das ist nicht unbedingt ihre Schuld. Ich meine, wir sollten einen Blick auf junge Familien werfen und uns an­schauen, wie die Gemeinde aussehen müsste, in die sie gerne gehen würden.

B: Wie? Sollen wir einen Katalog von attraktiven Gemeinden anfertigen? Sollen wir selbst jetzt alles möglich anbieten und einladen – da kommt doch sowieso kei­ner, abgesehen davon findest du niemanden, der es macht.

A: Wir sind doch das Presbyterium. Wir haben doch die Verantwortung. Und ich will nicht unverantwortlich damit umgehen, dass wir Kinder taufen und sie dann im Regen stehen lassen.

B: Und das heißt?

A: Ich will mir mal anschauen, wer bei uns so alles Kinder hat, wer ein Kind be­kommt, wer sein Kind noch nicht getauft hat und warum nicht.

B: Die Eltern kriegen das nicht auf die Reihe.

A: Aber überleg doch mal, warum nicht! Wer stellt sich schon gerne am Sonntag-morgen vor die Leute und zeigt: „Wir haben keine Ahnung davon, was ihr hier immer so macht“ oder „Bei uns gibt es leider keinen Papa mehr“ oder „Wir ha­ben kein Geld für ein großes Fest“.

B: Dann lassen sie es lieber ganz bleiben.

A: Aber das genau sind doch unsere Ansatzpunkte: Wer nicht weiß, wie es geht, sollte Informationen bekommen. Wer den großen Rahmen fürchtet, sollte einen anderen passenden bekommen. Wer vergessen hat, dass er getauft wurde, sollte daran erinnert werden.

B: Es fehlt noch, dass ich Pate spielen soll, wenn jemand keinen Paten findet.

A: Warum nicht? Es wäre nicht das erste Mal, dass Presbyterien so ihre Verant­wortung wahrnehmen. Und es wäre sicher spannend.

B: Dann ist es vielleicht doch nicht so einfach mit „Taufe ist Taufe“. Da gibt es wohl noch eine Menge für uns zu entdecken. Vor, während und nach der Taufe ist noch eine Menge möglich - und nötig!

 

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