Weihnachtsprojekt „Wir erzählen die Weihnachtsgeschichte“

(Prot. Kita „Löwenzahn“ in Bobenheim-Roxheim)

Verantwortlich für dieses Projekt: Karin Krug und Elke Schweitzer-Fornoff.

Mit den Kindern wurden Bilder zur Weihnachtsgeschichte betrachtet und die Erzählung erinnert. Die Kinder erzählten so:

Kind 1:

  • "Die waren zum letzten Haus gekommen. Da ist einer rausgekommen und hat gesagt: Ich hab keinen Platz. Im anderen Haus hat einer gesagt: Ich hab noch einen Platz zum Schlafen.-"

  • "Da ist das Baby geboren."

  • "Im Stall war ein Esel und ein Schaf."

Kind 2:

  • "Die haben ein Haus gesucht die Maria und der Mann."

  • "Die Maria sagt: -Ich bin müde und will ins Bett gehen.-"

  • "Die brauchen ein Haus, wenn's blitzt und donnert."

  • "Die müssen ein richtiges Bett haben, auch für's Baby."

  • "Die Hirten haben was Helles gesehen, einen Engel. Der hat was gesagt: -Zieht in den Stall.-

  • "Der "Josef" ist gebor'n."

Kind 3:

  • "Die reiten in ihr "Heimland"."

  • "Die Maria sagt: Ich möchte in ein Haus, schlafen geh'n."

  • "Der Wirt hat die dahin gebracht."

  • "Die Schäfchen müssen auch in den Stall."

  • "Dann ist das Baby da."

Kind 4:

  • "Der Josef klopft überall. Alle Leute haben keinen Platz."
  • "Josef und Maria suchen ein Haus zum Schlafen."

  • "Das Baby wird geboren."

Kind 5:

  • "Baby Jesus und der Esel gehören dazu."

  • "In die Kirche stürmen viele Leute rein. Der Ralf (Pfarrer) verkündet dann was."

  • "Der Josef hat einen Esel gekauft, damit die Maria reiten kann."

  • "Die kriegt ein Baby, die ist schwanger."

  • "Jetzt müssen die nach Bethlehem reiten, weil sie dort geboren sind, der Josef und die Maria. Dort werden die gezählt, von einem Soldat."

  • "Die haben einen Platz zum Wohnen gesucht. Da sind die zu Häusern gegangen und haben gefragt, ob Platz ist."

  • "Die Leute haben immer -NEIN- gesagt. Aber der eine hat gesagt: Ihr könnt da schlafen, im Stall."

  • "Da ist es hell und der Engel kommt."

  • "Der Engel hat gesagt: Da wird euer heiliger Sohn geboren."

  • "Das Baby ist da und dann weint man Freudentränen."

Daraus entstand folgende Erzählung:

Wir Löwenzahnkinder erzählen die Weihnachtsgeschichte

Der Josef und die Maria wohnen in Nazareth. Die sind beide verliebt und wollen bald heiraten. Die Maria kriegt ein Baby, den Gottessohn. Sie ist schwanger. Da kommt ein Bote nach Nazareth und sagt: „Ihr müsst an euren Geburtsort gehen, da müsst ihr gezählt werden.“ Die Maria sagt zum Josef: “Oh, dann müssen wir jetzt nach Bethlehem gehen und ich bekomme doch bald mein Kind.“ Nun gehen Maria und Josef los in ihr „Heimland“. Der Josef hat einen Esel gekauft damit die Maria reiten kann. Sie laufen einen ganz arg weiten Weg.

Dann sind sie in Bethlehem angekommen und Maria sagt: „Ich bin so müde, ich will in ein Bett gehen.“ Da guckt einer aus einem Haus raus, ein Wirt. Den fragt der Josef: “Hallo, habt ihr noch einen Platz zum Schlafen für uns?“ Aber der Wirt antwortet:“In unserem Haus ist kein Platz mehr.“ Sie gehen weiter und klopfen an viele Türen. Doch die Leute sagen immer.“Nein wir haben keinen Platz mehr in unserem Haus.“ Dann sind sie am letzten Haus angekommen und Maria sagt zu dem Wirt:“Lieber Mann, ich möchte in einem Haus schlafen gehen.“ Und der Wirt antwortet: „Ich habe nur noch Platz in meinem Stall.“ Dort bringt der Wirt die beiden hin und sagt: „Hier könnt ihr bleiben.“ Im Stall ist viel Stroh, ein Ochse und ein Esel und ein Schaf. Die Maria legt sich auf das Stroh und der Josef ist lieb zu Maria und streichelt sie. Dann ist das Kind geboren und die Maria sagt:“Ich freu mich, das Baby ist geboren. Es heißt Jesus und ist Gottes Sohn.“ Und der Josef freut sich auch.

Draußen auf dem Feld sind noch Hirten mit ihren Schafen. Es ist dunkel, doch auf einmal wird es ganz hell, das kommt von den vielen Engeln. Ein Engel kommt zu ihnen und sagt: “Im Stall in Bethlehem ist Gottes heiliger Sohn geboren.“

Die Hirten wollen das Kind sehen und gehen zum Stall. Sie gucken hinein und sehen das Jesuskind und ein Schäfchen. Das Baby liegt im Stroh und die Hirten sagen: „ Oh ist das ein süßes Kind!“ Und alle weinen Freudentränen.

Dokumentation zur Entstehung unserer Weihnachtsgeschichte

Im Team beschäftigen wir uns zur Zeit intensiv damit wo und wie wir Partizipation mit den Kindern verwirklichen können. So kam uns auch im Herbst 2014 die Idee, gemeinsam mit den Kindern eine Weihnachtsgeschichte zu erzählen und aufzuschreiben, die wir dann in unserem Weihnachtsgottesdienst in der Kirche mit den Kindern spielen können. In den Jahren vorher haben wir mit den Kindern mit großem Zeitaufwand Weihnachtsstücke (auch an Musicals angelehnt) gespielt, jetzt haben wir uns gefragt, was die Kinder eigentlich davon haben, ob sie überhaupt bei all dem Üben und vorbereiten noch nachvollziehen können um was es geht, ob sie den Sinn von Weihnachten erfassen konnten. Auch deshalb erschien es uns sinnvoll, die Weihnachtsgeschichte mit den Kindern zu erzählen, sie Schritt für Schritt mit ihnen zu entwickeln.

Mitte November fand unser erstes Treffen mit circa 20 Kindern statt, die auf unsere Anfrage hin Interesse daran bekundet hatten, die Weihnachtsgeschichte mit einer Kollegin und mir zu erarbeiten. Wir hatten vorher entschieden, dass wir kein Kind wegen seines Alters ausgrenzen wollten. So waren es an diesem Tag 20 Kinder im Alter von 3-6 Jahren die sich mit uns um einen großen Tisch in der Kinderküche versammelt haben. Wir stellten zunächst Fragen an die Kinder :Warum feiern wir Weihnachten? Was wisst ihr noch vom letzten Jahr, was ist in der Weihnachtsgeschichte passiert?

Wir schrieben die Aussagen so wie sie kamen ungeordnet auf. Danach vereinbarten wir mit den Kindern ein nächstes Treffen für 2 Tage später. Vor diesem Treffen brachte meine Kollegin die Beiträge der Kinder in eine zeitliche Reihenfolge und sortierte auch die Aussagen aus, die sich auf andere biblische Geschichten bezogen. Nachdem wir unser Material gesichtet hatten, kamen meine Kollegin und ich zu dem Schluss, dass die Kinder noch einige Anregungen brauchen würden um die Geschichte ganz zu erfassen und erzählen zu können.

Beim 2. Treffen zwei Tage später hatten 4 Kinder keine Lust mehr an der Geschichte weiterzuarbeiten. Wir akzeptierten diese Entscheidung der Kinder, auch war die Gruppe immer noch groß genug für unser gemeinsames Vorhaben. Wir nahmen die Bilder der Weihnachtsgeschichte aus unserem Erzähltheater zu Hilfe, ließen die Kinder erzählen, was darauf für sie zu sehen war. Wieder schrieben wir die Aussagen der Kinder auf, fragten manchmal genauer nach und kamen so allmählich zu einer Handlung.

Die Beiträge der Kinder haben wir nicht nur protokolliert, wir haben sie auf einzelne Bögen aufgeschrieben mit dem Namen des jeweiligen Kindes versehen und uns darauf für die Mithilfe an der Entstehung der Weihnachtsgeschichte bedankt. Diese Bögen haben wir in unserem Flur ausgehängt, für alle, auch für die Eltern einsehbar (sprechende Wände).

Bei unserem nächsten Zusammenkommen lasen wir den Kindern die von uns wieder überarbeitete Geschichte vor. Die Kinder waren begeistert und auch wir lobten sie für ihre guten Ideen und Formulierungen. Dann stellten wir alle gemeinsam fest: Da fehlt noch was! Wenn wir die Geschichte spielen und aufführen wollen, dann müssen alle Mitspieler auch was sagen. Also haben wir gemeinsam überlegt, was Maria und Josef zueinander sagen, und was auch Wirte, Hirten und Engel kundtun können.

Beim Zusammenschreiben haben meine Kollegin und ich immer versucht, die Aussagen der Kinder so wortgetreu wie möglich zu erhalten. Leider konnten wir vieles, was aus den Kindern beim Entstehen der Geschichte nur so aus ihnen heraussprudelte, was auch ihr ganzes Mitgefühl ausdrückte so nicht in die Geschichte aufnehmen. So hat sich z.B. der vierjährige Fillip ereifert, dass Maria und Josef doch nicht in einem Stall wohnen können, denn:“Wenn Blitz und Donner kommen, was sollen die denn dann machen? Und außerdem braucht das Baby doch auch ein richtiges Bett! Gerade dieses intensive Miterleben der Kinder hat uns beiden Erzieherinnen sehr viel Freude gemacht. Wir waren motiviert und glücklich über das Engagement der Kinder, auch weil uns das Thema wegen der aktuellen Flüchtlingsproblematik so nahe ging, wir selbst noch einmal einen besonderen Bezug zu der Geschichte hatten.

Die Rollenverteilung für das Stück ging wie von selbst, Die „Erzählkinder“ hatten sich schon vorher überlegt,was sie gerne spielen wollten. Nur ein Problem ergab sich: Wir hatten zwei potentielle Marias. Das haben wir dann gemeinsam durch „Würfeln“ entschieden nachdem Auslosen für die Mädchen als Möglichkeit ausschied und sie versprochen hatten, das Ergebnis zu akzeptieren. Die zweite Maria hat dann den Engel der Verkündigung gespielt.

Dann fingen wir an zu proben, dazu waren nur 3 weitere Treffen nötig. Wir stellten fest:Die Kinder hatten ihre kleinen Texte gleich drauf und das Drehbuch entwickelte sich von selbst. Die „Maria“ schlug für die Anfangsszene vor: „Also ich leg Wäsche zusammen und der Josef muss was sägen“. Das konnte alles nur geschehen, weil die Kinder schon in der Geschichte lebten.

Wir hatten geplant, alle unsere Kinder in der Weihnachtsgeschichte mitwirken zu lassen, außer denen, die sich gar nicht trauen oder einfach lieber bei ihrer Mama bleiben wollen (wir haben auch 6 Zweijährige in unserer zweigruppigen Einrichtung). Aus diesem Grund gab es viele Engel und auch Schäfchen. Alle Kinder haben während des Stückes die von uns ausgewählten, einfachen Lieder mitgesungen. Nur 2 der vier Lieder waren für die Kinder neu, wir wollten langes Üben vermeiden, da die Kinder schon genug geschafft hatten und wir auch den Kleinsten die Möglichkeit geben wollten mitzumachen.

Generalprobe und Aufführung

Wie jedes Jahr fand die letzte Probe in unserer Kirche statt, damit die Kinder sich an Ort und Stelle ihre Positionen und Wege merken können (dabei helfen auch Markierungen auf dem Boden). Die Aufführung unserer Geschichte war dann einen Tag später. Im Gottesdienst gab ich noch eine Einführung für die Eltern und alle anderen Besucher zur Entstehung unserer Geschichte und zur Aufführung, damit für alle nachvollziehbar wurde wie viel Einsatz von unseren Kindern in dieser Geschichte steckt und auch ihre Einfachheit erklärbar wurde. Tatsächlich waren dann alle Anwesenden sehr gerührt und haben an manchen Stellen der Aufführung schmunzeln müssen.

Die Weihnachtsgeschichte und die Aufführung des Krippenspiels auf diese Weise mit den Kindern zu erarbeiten war für uns eine wirklich gute und schöne Erfahrung und wir haben das Gefühl, die Kinder dabei mitgenommen zu haben. Das Wichtigste war diesmal nicht die Aufführung des Krippenspiels sondern der Weg dorthin.

Alle Kinder der Kita haben ein Exemplar der Geschichte in ihrem Portfolio, die Autoren haben die Geschichte alle unterschrieben. Die Einzelbeiträge der Kinder von den „sprechenden Wänden“ haben die Kinder von denen sie kamen auch in ihr Portfolio eingeheftet.

 

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