Weihnachtsspiel

VOM ENGEL, DER NICHT MITSINGEN WOLLTE

Weihnachtsspiel nach einer Geschichte von Werner Reiser, Andrea Petritsch, Wien

Szene 1

Kinder in weißen Gewändern singen:

Ehre sei Gott in der Höhe! Friede auf Erden, auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen. Amen.

Mitten im Gesang stockt ein Engel, hält sich die Hand vor den Mund und stampft mit dem Fuß auf. Zuerst hören seine Nachbarn erstaunt zu singen auf, dann die nächsten usw., bis es ganz still ist.

Alle schauen auf den einen Engel. Ein großer Engel geht nach vorn.

gr. Engel: Warum willst du nicht singen?

1. Engel: Ich wollte ja singen. Bis zum „Frieden auf Erden“ bin ich noch gekommen. Aber dann konnte ich nicht mehr weitersingen.

gr. Engel: Und wenn ich dir ein Hustenbonbon gebe?

1. Engel: Das ist es nicht. Ich hab kein Halsweh. Es ist das mit dem Frieden.

gr. Engel: Was ist mit dem Frieden?

1. Engel: Ich kann nicht singen „Frieden auf Erden“, wenn ich an die vielen Soldaten denken muss?

gr. Engel: Welche Soldaten?

1. Engel: Na, die römischen Soldaten. Überall sind sie und verbreiten Angst und Schrecken und nennen das noch den römischen Frieden.

gr. Engel: Na ja ......

1. Engel: Und dann diese zwei mit dem Baby, müssen wegen einer Volkszählung quer durchs ganze Land wandern. Wer weiß, was die Menschen mit diesem Kind machen werden?

gr. Engel: Weißt du’s?

1. Engel: Nein, ich will es auch lieber nicht wissen. Aber was ich sehe, reicht mir: Es stimmt nicht, dass Frieden auf Erden ist. Und was nicht stimmt, singe ich nicht mit!

2. Engel: Recht hat er.

3. Engel: Finde ich auch.

gr. Engel: Schweigt, ähh, ich meine: singt!

Engelschor summt leise.

Großer Engel nimmt die drei Engel beiseite:

gr. Engel: Ihr wollt also wissen, was Friede ist?

1. Engel: Ja, ich merke doch, dass das, was wir singen, nicht zu dem passt, was auf der Erde los ist. Da ist kein Friede, und das halte ich nicht aus.

2. Engel: Da ist wirklich mehr Streit, Gewalt und Krieg als Frieden, das musst du doch einsehen.

3. Engel: Also warum singen wir dann etwas, was so wenig stimmt? gr. Engel schweigt.

2. Engel: Was ist?

gr. Engel: (zuckt die Schultern) Hier brauchen wir Gottes Hilfe.

Schweigen.

gr. Engel: Gut. Ihr leidet an diesem großen Unterschied zwischen dem, was im Himmel, und dem, was auf der Erde ist. Aber der Friede des Himmels wird auf die Erde kommen, bestimmt, so haben es die Alten schon gesagt:

Zwei Sprecher sprechen von der Kanzel über Mikrofon:

Sprecher 1: Das Volk, das im Dunkeln wohnt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind.

Sprecher 2: Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, er wird die Herrschaft übernehmen.

Sprecher 1: Man wird ihn nennen: „Wunderbarer Ratgeber“, „Starker Gott“, „Ewiger Vater“, „Friedensfürst“.

Sprecher 2: Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen.

LIED

gr. Engel: Glaubt mir, jetzt kommt die Zeit, wo wir das erleben werden: Der Frieden des Himmels kommt auf die Erde. Und wir singen von diesem neuen Frieden. Die Menschen sollen neugierig werden und anfangen, nach ihm zu suchen.

3. Engel: Na, wenn das so ist ... dann singen wir weiter.

gr. Engel: Nein, warte. Ich habe eine bessere Idee. Ihr werdet nicht singen. Ihr bekommst eine neue Aufgabe: von jetzt an werdet ihr den himmlischen Frieden zu den Menschen tragen. Tag und Nacht werdet ihr unterwegs sein. Ihr sollt an ihre Häuser pochen und ihnen die Sehnsucht nach diesem Frieden ins Herz legen.

Überreicht dem 1. Engel einen Korb mit Lebkuchenherzen

1. Engel: Ist das alles?

gr. Engel: Nein. Ihr müsst dabei sein, wenn sie anfangen, sich zu hassen und Pläne auszuhecken, um sich gegenseitig zu schaden. Dann werdet ihr euch einmischen und ihnen helfen, sich gegenseitig zu verstehen.

Gibt dem 3. Engel eine Kerze.

3. Engel: Ist das alles?

gr. Engel: Nein. Ihr müsst ihre Lügen aufdecken. Sie sollen ehrlich sein und keinen Menschen betrügen.

2. Engel: Und dann?

gr. Engel: Dann werden sie euch rausschmeißen.

(reicht ihm ein Polster) Aber ihr werdet auf der Schwelle sitzen bleiben, so lange, bis sie aufhören, Unrecht zu tun. Die, die bisher immer betrogen wurden, brauchen euch. Ihr müsst für sie sprechen.

1. Engel: Oh je ....

gr. Engel: Ihr werdet nichts zu singen haben. Ihr werdet weinen und klagen müssen.

2. Engel: Auweia...

gr. Engel: Ihr habt es so gewollt. Ihr liebt die Wahrheit mehr als den Lobgesang. Und weil es euch so wichtig ist, wird es euer Auftrag sein. Jetzt geht! Und noch etwas: Wir werden weitersingen. Dann werdet ihr nicht vergessen, dass der Friede zur Erde kommt.

Engel verlassen den Altarraum in verschiedenen Richtungen.

LIED/Musik

Szene 2

Ausrufer: (Kommt durch den Mittelgang nach vorne. Liest von großem Blatt Papier oder Tapetenrolle:) Hört den Befehl des Friedenskaisers Augustus – Alle Einwohner seines großen Reiches müssen Steuern zahlen. - Darum müsst ihr in die Stadt gehen, in der ihr geboren seid, und euch dort in Listen eintragen lassen. – Also macht euch auf den Weg. Der Friedenskaiser Augustus befiehlt es!

1. Engel: (tritt von der Seite auf ihn zu:) Sag mal, hast du mal darüber nachgedacht, ob das richtig ist, was du da ausrufst?

Ausrufer: Der Kaiser hat es befohlen. Also muss es gut sein.

Maria und Josef machen sich auf den Weg. Sie kommen langsam durch den Mittelgang nach vorne. 

1. Engel: Aber du schickst mit diesem Befehl Menschen auf gefährliche Wege, sogar Behinderte, Schwache, Kranke – und schwangere Frauen, wie diese dort.

Ausrufer: (misstrauisch) Sag mal, was willst du eigentlich von mir?

1. Engel: (zaghaft und hält ihm ein Herz entgegen) Ich möchte dich bitten, diesem Befehl nicht zu gehorchen, weil er gegen schwache Menschen ist. (entschiedener) Ja, ich bitte dich, das da (zeigt auf das Papier) nicht weiter zu verlesen.

Ausrufer: Jetzt hör mir mal zu, du komische(r) Heilige(r). Was soll ich damit. Und was du da sagst, ist Anstiftung zum Aufruhr. Wenn du nicht sofort verschwindest, .......

1. Engel: Ich will keinen Aufruhr. Ich will Frieden – auch für die Schwachen. Hier! Nimm! (hält ihm Herz entgegen)

Ausrufer: Wache! Wache! Hier, nehmt den Kerl (dieses Weib) fest. Der (die) will den Aufstand!

Zwei Soldaten kommen und nehmen den Engel fest.

1. Engel: Frieden will ich. Schutz für die Schwachen. Und keine brutale Gewalt des Kaisers.

Engel wird grob abgeführt.

LIED oder MUSIK

Szene 3

Maria und Josef kommen nach vorn.

Josef: Hier werden wir einen Raum für die Nacht bekommen, Maria. Die Herberge von Bethlehem ist groß.

Maria: Es wird auch Zeit, Josef. Ich kann nun wirklich kaum noch gehen. - Ach, warum muss dieser sogenannte Friedenskaiser uns so quälen.

Josef: (klopft an) Guten Abend.

Wirt: Einen guten Abend kann ich euch wünschen. Aber wenn ihr ein Quartier sucht, muss ich euch enttäuschen.

Maria: Aber wir sind so darauf angewiesen, ein Zimmerchen, wenigstens ein ganz kleines. Ich habe das Gefühl, dass unser Kind bald geboren wird. Ich kann doch nicht auf der Straße .....

2. Engel: (als Herbergsgast, kommt von der Seite dazu) Das ist wohl wahr. Vielleicht kann ich euch helfen. Ein Zimmer habe ich auch nicht. Ich übernachte hier in der Herberge nur mit einem Polster im Innenhof. Das ist ja kein Platz für euch, sonst würde ich ihn euch überlassen. Aber auf meinem Weg hierher bin ich an einem Stall vorbeigekommen. Wenn ihr wollt, führe ich euch hin. Und meinen Polster gebe ich euch. Dann habt ihr wenigstens ein notdürftiges Lager.

Josef: Du bist wie ein Engel zu uns.

2. Engel: (Lächelt in sich hinein, abgewendet von den anderen:) Ach ja .........

Führt die beiden zum Stall und entfernt sich dann.

Musik/ Lied

Szene 4

3. Engel hockt unbemerkt von den Hirten im Abseits

1. Hirte: Mir knurrt der Magen. Kein Brot, kein Fleisch, kein Geld, um etwas zu kaufen.

2. Hirte: Und die Milch der Schafe, die wir gemolken haben, hat der Besitzer auch abgeholt. – sonst hätten wir wenigstens davon...

3. Hirte: Aber die Schafe sind ja noch da.

4. Hirte: (Entsetzt) Du willst doch wohl kein Schlaf stehlen. Erstens sind sie gezeichnet und gezählt. Zweitens was wären wir für Hirten, wenn wir die Schafe einfach schlachteten.

1. Hirte: aber...

4. Hirte: (heftig) Die Leute haben eh schon so eine schlechte Meinung von uns. Willst du denn alles kaputt machen?

3. Hirte: Hast du eine bessere Idee? Wenn die Leute eh schon schimpfen, dann sollen sie halt schimpfen, aber wir werden satt.

2. Hirte: Ach hört auf! Er hat recht. Es werden schon wieder bessere Zeiten kommen.

4. Hirte: Und für heute hab ich noch ein Stück Brot in der Tasche. Das teilen wir auf. Es ist nicht viel, aber wenigstens etwas. (Hirten teilen das Brot, essen und legen sich nieder)

3. Engel: (betend) Gott, siehst du nicht die Not und die Ungerechtigkeit bei den Menschen? Nur wenige besitzen, so viele haben nichts. Gott, was soll ich tun? Ich fühle mich hilflos und ohnmächtig. Gib mir Ideen und Kraft. Gott, hilf doch!

Stille

5. Szene

3. Engel steht auf, entzündet seine Kerze am Weihnachtsbaum, geht damit auf Hirten zu, Engelchor tritt auf, Verkündigungsengel auf der Kanzel. Hirten erschrecken, 3.Hirte zeigt auf die Engel, stößt die anderen an.

gr. Engel: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkünde euch große Freude, die allen Menschen gilt. Denn euch ist heute der Heiland geboren. Welcher ist Christus, der Herr. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet das Kind finden in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. – Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Lied: Ehre sei Gott

3. Engel gibt Hirten die Kerze. Engel verschwinden. Hirten stehen auf

2. Hirte: (staunend) Ohhhh. Habt ihr das gehört? Habt ihr das gesehen?

3. Hirte: Ein Lied vom Himmel für uns. Ein Hoffnungslicht für uns alle.Für uns arme Menschen auf dieser Erde!

1. Hirte: Ob sich jetzt etwas ändert?

4. Hirte: Kommt, wir gehen und suchen dieses Kind.

Hirten machen sich auf den Weg durch den Mittelgang, die Kerze nehmen sie mit.

Musik

6. Szene:

Maria und Josef nehmen vorne mit Krippe Platz. Die drei Engel treten mit den Hirten zur Krippe. Hirten knien nieder, beziehungsweise setzen sich auf Altarstufen, damit man Maria und Josef und die Engel sieht. Kerze wird vor der Krippe abgesetzt oder in die Krippe gestellt.

2. Engel: So hilft also Gott.

1. Engel: Und unser Lied. Das wir immer geübt haben und dann nicht mehr singen wollten. Habt ihr es gehört? So war es also gemeint.

3. Engel: Ja, Gott selbst kommt zu den Menschen. Er wird Mensch, ein Kind. Und die armen Hirten hörten diese Botschaft zuerst!

Engel 1: Aber unsere Aufgabe ist deshalb noch nicht erfüllt. Die Menschen brauchen uns immer noch.

Engel 3: Diese Nacht und dieses Kind darf nicht vergessen werden.

Engel 2: Angst und Not haben nicht das letzte Wort.

Engel 1: Ja, und die Sehnsucht nach Frieden, die wollen wir nicht verschwinden lassen.

Engel 3: Gottes Liebe soll spürbar bleiben unter den Menschen.

(Engel machen sich auf und verteilen die Lebkuchenherzen und Kerzen)

Musik

Sprecher 2: Es müssen nicht Männer mit Flügel sein, … (Rudolf Otto Wiemer)

Sprecher 1: Seit damals sind also Gottes Friedensengel unterwegs. Oft angefeindet und bekämpft. Aber sie lassen sich nicht entmutigen. Denn Gottes Liebe und Gottes Frieden gilt allen Menschen und die Sehnsucht danach schwindet nicht. Bis heute sorgen sie dafür, dass Menschen Frieden suchen und für den Frieden eintreten.

Lied

 

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