Mit dem Geist der Liebe und der Besonnenheit

Kirchenpräsident Christian Schad wird 60 Jahre alt – Geboren in Ludwigshafen – Ein sichtbarer Repräsentant in Deutschland und in der Pfalz

Dreimal Christian Schad: 1998 bei der Wahl zum Oberkirchenrat (Bildmitte),...

... bei der Wahl zum Kirchenpräsidenten 2008 (Mitte) mit Kirchenpräsident Eberhard Cherdon (links) und Synodalpräsident Henri Franck...

... und 2018 beim Fototermin an seinem Schreibtisch. Fotos: Landry

Wer nach den theologischen Leitplanken seines Handelns und seines Denkens sucht, kommt recht schnell zum Ziel: Vertrauen und Demut heißen die beiden Begriffe, die ihn bestimmen und an denen er auch nicht deuteln lässt. Theologische Schulen geben da schon weniger die Richtung vor. Es gibt sie, aber er denkt und handelt lieber selbst. Kirchenpräsident Christian Schad wird am Mittwoch, 14. Februar, 60 Jahre alt.

Er lebt seinen Glauben und glaubt an sein Tun: Vertrauen in Gott und die Welt, darauf, dass er es schafft, mit der Kraft seiner Worte zu überzeugen und die Menschen für das als richtig erkannte zu gewinnen; Demut angesichts seiner Aufgaben in einer schwierigen Zeit, aber auch der selbstkritische Zweifel: Was wäre, wenn der andere recht hätte? Dieser Fall trat offenbar schon im Studium eher selten ein. Ein Kommilitone sagt mit etwas Ironie und viel Respekt: „Der war schon immer so.“

Christian Schad ist am 14. Februar 1958 in keinem besonders religiös geprägten Umfeld geboren: Ludwigshafen-Mitte, ältester Sohn im „liberalen Elternhaus mit aufgeklärter Religiosität“. Aber – und damit fängt seine besondere Lebens- und Verstehensgeschichte an – die Mutter hat des Abends mit ihm gebetet. Und sie legte Wert darauf, die „Konflikte des Tages zu besprechen und zu bereinigen“, wie Schad selber sagt. Bis heute versteht er Kirche als „lebendige Erzählgemeinschaft aller Geschwister, der Lebendigen und der Toten, in der christliche Tradition weitergegeben wird“.

Wie kommt ein Junge im Alter von acht oder neun Jahren dazu, Theologie studieren zu wollen? Als Sechsjähriger mit den Eltern im Kirchenchor. Lesen, Schreiben, Singen, das Gefühl einer inneren Geborgenheit. Kirche als Heimat erfahren. Sich für den Beruf des Pfarrers begeistern. Der Vater war strikt dagegen. Weshalb übernahm sein ältester Sohn nicht das Kürschnergeschäft?

Christian Schad ging auch nach seiner Konfirmation in die Kirche. Im Religionsunterricht kam er mit den Theologen seiner Zeit in Kontakt: Moltmann, Gollwitzer, Barth. Und er kam zur Einsicht, dass man Theologie nur existenziell betreiben kann. Es folgten Studienjahre in Bethel, Tübingen (Ebeling, Jüngel und Ernst Fuchs) und Bonn – und die Heirat mit Gerlinde Wnuck-Schad, heute Pfarrerin an der Landauer Stiftskirche.

Christian Schad wurde am 19. Mai 1986 in Weingarten als Pfarrer ordiniert, wo er gemeinsam mit seiner Frau bis 1991 Gemeindepfarrer war – verbunden mit der „Studierendenseelsorge“ am Fachbereich für Sprach- und Kulturwissenschaften in Germersheim. Danach folgte die steile Karriere, die seinem Werdegang entsprach.

Er wurde nicht nur Referent im Landeskirchenrat in Speyer, sondern dort mit der Erarbeitung des neuen „Evangelischen Gesangbuchs“ betraut. Und dafür hätte sich nun kein Besserer finden lassen, der die verschiedenen Vorstellungen in Südwestdeutschland und im Elsass zusammenführt. Dieses Gesangbuch gilt nach wie vor als Meisterwerk und Meisterstück. Sein Chef, Oberkirchenrat Horst Hahn, orakelte damals: „Wenn sie den net zum Präsidenten machen, sinn sie selber schuld.“

Es folgten von 1996 bis 1998 drei Jahre am Predigerseminar in Landau, um dann in einer denkwürdigen Wahl in der pfälzischen Landessynode im November 1998 im Alter von 40 Jahren zum Oberkirchenrat zu werden. Hätten die Synodalen einen Schild gehabt, sie hätten ihn durch das Plenum getragen. Ähnlich erging es Schad bei seiner Wahl zum Kirchenpräsidenten im Jahr 2008. Der einzig mögliche Gegenkandidat erklärte damals frohgemut, dass man „auf ein Opfer auch einmal verzichten können müsse“ – und Schad erhielt als einziger Kandidat fast alle Stimmen.

Nun ist Schad seit 2008 pfälzischer Kirchenpräsident und als Vorsitzender der Union Evangelischer Kirchen neben dem Ratsvorsitzenden Heinrich-Bedford-Strohm der sichtbarste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sein Herz schlägt für die Ökumene, und seine Lieblingsstelle aus dem 2. Timotheusbrief trägt ihn durch eine schwierige Zeit: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Hartmut Metzger

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