Die Dunkelheit der Nacht bewahren

Universitätsgruppe kämpft gegen steigende Lichtverschmutzung – Sternenpark im Pfälzerwald geplant

Blick durch ein Teleskop auf das Siebengestirn (Plejaden). Foto: Mücksch

Wollen, dass Sterne auch künftig gut zu sehen sind (von links): Die Hobbyastronomen Marcel Schäfer, Christian Anders und Christian Mücksch. Foto: view

"Stern über Bethlehem, zeig’ uns den Weg", singen an Heiligabend Menschen in der Kirche und vor dem Weihnachtsbaum. Doch wirklich dunkel ist die Nacht in vielen Teilen Deutschlands längst nicht mehr. So hätte der Stern mittlerweile Mühe, uns den Weg zu zeigen. In den vergangenen Jahren hat die Beleuchtung nachts, auch durch die LED-Technik, stark zugenommen. So wölbt sich über Städten inzwischen eine regelrechte "Lichtglocke", da das Licht in Schichten der Atmosphäre reflektiert und zerstreut wird.

Die sogenannte Lichtverschmutzung war vor einigen Jahren Thema eines Seminars an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern – und ließ Marcel Schäfer nicht mehr los. Der 30-Jährige hat sich dem Einsatz gegen unnötig hellen Himmel verschrieben. Dafür berät er Ortsgemeinden, wie sie das Streulicht ihrer Straßenlaternen reduzieren können und erstellt Leuchtkataster. Zehn Vorträge hat er schon gehalten. Dabei stößt der Hornbacher durchaus auf Verständnis – zuletzt in Lambrecht. Der Knackpunkt seien oft die Investitionskosten. Viele Gemeinden hätten sich zudem erst vor wenigen Jahren für energiesparende Lampen entschieden – die leider oft lichtstärker seien als nötig, erklärt Schäfer. Er empfiehlt eine Farbtemperatur unter 2700 Kelvin, das entspricht warmweißem Licht. Oft reiche es auch aus, die Lampen zu dimmen oder den Neigungswinkel zu ändern.

Schäfers Argumentation in Gemeinderäten zielt allerdings nicht primär auf den Sternenhimmel ab. Seit Jahren schon untersuchen Forscher die Folgen nächtlicher Beleuchtung. Dass diese Insekten magisch anzieht, die dann vor Erschöpfung sterben, ist bekannt. Doch auch auf Vögel, Fische, nachtaktive Säugetiere und den Schlafrhythmus der Menschen hat die Lichtverschmutzung möglicherweise Folgen. Unter dem Titel "Verlust der Nacht" läuft ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt, das interdisziplinär Störungen im natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus betrachtet, dem sich auch Schäfer und seine Mitstreiter widmen. "Ort des gesündesten Schlafs", mit diesem Slogan könnte eine Gemeinde doch für sich werben, denkt Schäfer laut nach. Unterstützung erhält die Gruppe vom Umweltministerium und vom Bezirksverband Pfalz.

Seit 2015 fährt das Team quer durch das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Hier soll ein Sternenpark entstehen. Mit diesem Titel zeichnet die International Dark-Sky Association mit Sitz in den USA Gegenden aus, in denen noch ein natürlich dunkler Nachthimmel zu sehen ist. 2011 erhielt der Naturpark Westhavelland als erster Ort in Deutschland den Titel, 2014 folgten die Rhön und der Nationalpark Eifel. Auch Bereiche der Schwäbischen Alb, des Saarlands und der Nationalpark Harz sollen zu Sternenparks werden.

Mehr als 100 Flächen haben die Kaiserslauterer recherchiert und kartiert. Anschließend wurde die Dunkelheit gemessen – mithilfe des "Sky Quality Meters", einem Gerät, nicht größer als ein Kartenspiel. Ergebnis ist unter anderem, dass der Dezember regelmäßig vom Jahresdurchschnitt abweicht. "Das ist die Weihnachtsbeleuchtung", sagt Schäfer. Der dunkelste gemessene Ort liegt nahe Schmalenberg, der hellste Punkt – übrigens ganz Deutschlands – sei die Airbase Ramstein, sagt Schäfer. Hier werden die Landebahnen besonders stark ausgeleuchtet.

15 besonders geeignete Flächen werden nun in Neumondphasen nochmals in den Blick genommen. Dafür werden über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums Gelder beantragt. "Wir machen das alles ehrenamtlich", sagt Schäfer. Mittelfristig sollen neben Kommunen auch Natur- und Landschaftsführer beraten werden. Am Haus der Nachhaltigkeit wurde ein Gerät installiert, das es künftig erlauben soll, den Sternenhimmel vom Computer aus in Echtzeit zu betrachten.

Hier finden sich die Schnittmengen mit der Studentischen Arbeitsgemeinschaft Astronomie (Saga), die mittlerweile Ansprechpartner für alle astronomischen Aktivitäten in der Gegend ist und nicht nur Hochschulangehörige in ihren Reihen hat. Über Himmelsphänomene könne man sehr gut für die abstrakten Inhalte der ­Physik Interesse wecken, sagt der ­stell­vertretende Vorsitzende Christian Mücksch. Schüler oder Kindergartenkinder schauten gerne durch ein Teleskop, auch für Kirchengemeinden seien Veranstaltungen möglich. Das bestätigt Christian Anders, Presbyter in der Kirchengemeinde Kalkofen und Vorsitzender der Saga. Umso wichtiger ist beiden eine dunkle Nacht.

Mücksch sucht mit Fotoausrüstung und Teleskop die dunkelsten Flecken der Pfalz auf. Das Ergebnis sind faszinierende Bilder vom Mond und der Milchstraße, aber auch vom rund 1300 Lichtjahre entfernten Orionnebel. Für ein einziges Foto nimmt er schon einmal mehrere Nächte bei Temperaturen unter minus ?10 Grad auf sich. Es sei faszinierend, Licht festzuhalten, das vor rund 200 Millionen Jahren seinen Weg Richtung Erde angetreten hat. Während womöglich ­irgendwo im Universum jemand zur gleichen Zeit Bilder der Erde aufnehme – während auf ihr noch Dinosaurier spazierten. Florian Riesterer

Weihnachten als kosmisches Ereignis

Welcher Stern stand über dem Stall? Welches Himmelsphänomen hat die drei Weisen aus dem Morgenland nach Betlehem geführt? Dr. Christian Theis, Astronom und Leiter des Planetariums Mannheim, hat sich intensiv mit den Sternen aus der Bibel beschäftigt.

„Der Stern von Bethlehem kommt nur an vier Stellen und nur im Matthäusevangelium vor“, erklärt Theis. Auch wenn er auf Bildern immer wieder als Komet mit Schweif dargestellt ist, glaube er als Wissenschaftler nicht an diese Interpretationsmöglichkeit: „Weil Kometen sehr beeindruckend sind, hat man den Weihnachtsstern später als Komet gedeutet“, dass es sich aber tatsächlich um einen Kometen handelt, sei sehr unwahrscheinlich, glaubt Theis. Zwar sei im Jahr 12 vor Christus der Halleysche Komet am Himmel zu sehen gewesen, jedoch einige Jahre zu früh. Außerdem habe das normale Volk und auch Herodes das weihnachtliche Himmelsphänomen laut Bibel nicht beobachtet, was gegen einen Kometen spreche. Erst den Weisen aus dem Morgenland sei das besondere Himmelsphänomen aufgefallen.

"Es spricht alles dafür, dass es sich bei dem Weihnachtsstern um ein unspektakuläres astronomisches Ereignis handelt", sagt Theis. Offensichtlich stecke ein himmlisches Schattenspiel dahinter: "Sieht man diesen Stern mit den Augen der damaligen Astrologen, kommt nur eine Bedeckung des Jupiters durch den Mond infrage." Die Formulierungen, der Stern sei im Osten aufgegangen, vor ihnen hergezogen oder gar stehen geblieben, seien präzise astronomische Beschreibungen, so Theis. "Gemeint ist der heliakische Aufgang, die Schleifenbewegungen des Jupiters und die Projektionseffekte."

Diese Konstellation von Jupiter und Mond lasse sich auf das Jahr 6/7 vor Christus datieren und galt damals unter Astrologen als sehr günstiges Ho­ros­kop. Der Blick in den Nachthimmel lohne sich auch in diesen Tagen: "Im Winter hat man gute Chancen, die ein oder andere Sternschnuppe zu sehen", so der Astronom. Stefan Mendling

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