Die Lage vor der Oberkirchenratswahl

von Klaus Koch

Klaus Koch

Für die kirchenpolitischen Gruppen beginnt das neue Jahr hektisch. Im Amtsblatt der Landeskirche ist die Stelle eines Oberkirchenrats ausgeschrieben. Michael Gärtner tritt nicht mehr an; er geht im Frühjahr 2019 in den Ruhestand. Bewerbungen für seine Nachfolge müssen bis zum 16. Februar 2018 abgegeben werden. Das ist ein enger Zeitplan für die Gruppen, um gegebenenfalls in den eigenen Reihen einen Kandidaten zu finden und ihm dann in Gesprächen mit den anderen Gruppen möglichst auch noch eine Mehrheit zu organisieren.

Doch vielleicht sind die Anstrengungen der Gruppen um die Kandidatenkür gar nicht nötig. Denn seit Herbst 2015 gibt es starke Zweifel, ob das sogenannte Konsensmodell, nach dem über Jahre neue Oberkirchenräte in der Landessynode ausgesucht wurden, überhaupt noch funktioniert. Das Konsensmodell basierte darauf, dass es drei geistliche Oberkirchenräte und drei kirchenpolitische Gruppen gibt. Also für jede Gruppe eine Stelle. Die beiden weltlichen Oberkirchenräte und der Kirchenpräsident waren traditionell nie Teil dieses Proporzdenkens.

Seit dieser Legislaturperiode jedoch gibt es in der Synode neben dem Arbeitskreis Offene Kirche (AOK), dem Synodalen Gesprächskreis (SGK) und der Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaft (KTA) noch das Synodale Forum. Unter dieser neuen Konstellation hatte als erste Gruppe die KTA zu leiden. Als die Amtszeit von KTA-Mitglied Gottfried Müller endete, hätte sie nach altem Brauch Anrecht auf das Amt gehabt. Doch sowohl im Herbst 2015 als auch im Frühjahr 2016 scheiterte ihr jeweiliger Kandidat. Gewählt wurde Marianne Wagner. Sie trat als Unabhängige an, gehört aber eigentlich zum SGK. Diese Gruppe hat nun mit Wagner und Manfred Sutter zwei Oberkirchenräte.

Theoretisch könnten also drei synodale Gruppen Anspruch auf die Nachfolge von AOK-Mitglied Gärtner erheben. Das Synodale Forum, weil es noch nie einen Oberkirchenrat hatte, die KTA, weil sie 2015 leer ausging, und der AOK, weil es ja, nach alter Rechnung, seine Stelle ist, die frei wird. Lediglich der SGK ist einigermaßen außen vor. Würde eines seiner Mitglieder Nachfolger Gärtners, hätte der Gesprächskreis alle vier geistlichen Stellen in der Kirchenleitung inne, denn auch Kirchenpräsident Christian Schad gehört dem SGK an.

Bei dieser Konstellation ist es kein Wunder, dass immer mehr Synodale das alte Konsens- oder Proporzmodell nicht mehr für der Weisheit letzten Schluss halten. Vieles spricht dafür, dass es in der Frühjahrssynode mehrere Bewerber gibt, deren Gruppenzugehörigkeit nicht von entscheidender Bedeutung ist. Das könnte dazu führen, dass sich Kandidaten bewerben – und eine Chance haben –, die keiner Gruppe angehören und keine interne Vorauswahl hinter sich bringen mussten. Und so wäre dann sogar einmal ein geistlicher Oberkirchenrat denkbar, der nicht aus der Pfalz kommt.

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