Die große Frage seit Adam und Eva

von Anke von Legat

Anke von Legat

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Alles klar: Oben und unten, hell und dunkel, schwarz und weiß waren damals deutlich zu unterscheiden. Aber je länger die Schöpfung sich hinzog, desto komplizierter wurde es. Und wenn wir heute auf unsere Welt schauen, ist sie so unübersichtlich ­geworden, dass wir kaum noch hinterherkommen.

Dabei ist eine Frage gleich geblieben seit den Tagen der Schöpfung, eine Frage so alt wie der Glaube an Gott: Wie sollen wir leben? Schon Adam und Eva haben sich diese Frage gestellt. Und schon sie haben zu spüren bekommen, dass die Antwort darauf gar nicht so einfach ist. Denn selbst wenn Gott uns Menschen klare Regeln für das Zusammenleben in seinem Sinne gegeben hat: Unsere Welt ist so komplex, so undurchschaubar, dass Gottes Gebote nicht einfach passen wie ein Deckel auf einen Topf.

Das gilt im Kleinen wie im Großen. „Du sollst nicht töten“ – was heißt das, wenn ein naher Mensch mit einer unheilbaren Krankheit um Hilfe beim Sterben bittet? Oder wenn ein Krieg nur mit einer „Friedenstruppe“ beendet werden kann? „Du sollst Vater und Mutter ehren“ – wie setzt man das in die Wirklichkeit um, wenn es um die Frage geht, wie die Eltern gepflegt werden können? Oder wie das Rentensystem in Zukunft funktionieren soll?

Nur ganz selten gibt es auf solche Fragen einfache Antworten. Denn einfache Antworten sehen zum einen nicht den einzelnen Menschen in seiner individuellen Lebenssituation. Und sie berücksichtigen zum anderen nicht alle Informationen, die wichtig sind, um unsere komplizierte Welt richtig einzuschätzen.

Wer wissen möchte, was er nach Gottes Willen tun soll, muss genau hinsehen. Ein pauschales „So steht es doch in der Bibel“ wird der Situation nicht gerecht. Wenn wir ernst nehmen, dass Gott jeden Einzelnen bei seinem Namen ruft und ihm seine je eigene Würde zuspricht, müssen wir auch berücksichtigen, wie dieser Einzelne lebt, denkt, wünscht, glaubt, wenn wir mit ihm in Gottes Sinne in Beziehung treten. Das heißt nicht, dass Gottes Wort einfach an menschliche Wünsche angepasst wird. Vielmehr geht es darum, zu fragen, was Gottes Forderungen nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit jetzt bedeuten. Um das herauszufinden, ist Nachdenken nötig, Beten und Reden.

Der große Kirchenlehrer Augustinus hat als Leitsatz formuliert: „Liebe, und dann tue, was du willst.“ Auch das ist keine direkte Lösung für jedes Prob­lem, aber es kann als Richtschnur dienen: Die Liebe, mit der Gott sich uns zuwendet, sollte durch uns bei unseren Mitmenschen ankommen und ihnen zum Besten dienen. Übrigens: Trotz aller Mühe werden wir immer wieder falschliegen mit dem, was wir tun. Auch das treibt uns um seit Adam und Eva. Zum Glück gilt weiterhin: „Die Güte des Herrn hat kein Ende.“

Die Autorin ist Redakteurin der ­Zeitung „Unsere Kirche“ in Bielefeld.

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