In der Öffentlichkeit mutig voranschreiten

von Klaus Koch

Klaus Koch

Vielleicht ist sie ja doch sexy, die evangelische Kirche. Zumindest ein bisschen. Wie anders wäre zu erklären, dass sich Prominente wie Fußballtrainer Jürgen Klopp, RTL-Moderatorin Frauke Ludowig, Regisseur Nico Hofmann oder Altpräsidentengattin Bettina Wulff öffentlich zu ihr bekannt haben. Sie alle gehörten zur illustren Reihe der Reformationsbotschafter, die im zu Ende gehenden Jubeljahr für Aufmerksamkeit sorgen sollten. Und oft hat es gut geklappt mit dieser Aufmerksamkeit. Die Kirche hat bewiesen, dass sie nach wie vor weit in die Gesellschaft hineinreicht, dass sie gut vernetzt ist mit so unterschiedlichen Bereichen wie Kunst, Sport, Wissenschaft, Unterhaltung und Politik.

Gewiss, die Kirche hat für dieses Jubiläum einen gewaltigen Aufwand betrieben. Manches geriet zu plakativ, war mehr an Aufmerksamkeit denn an Inhalt orientiert. Aber am Ende war es doch ein Erfolg. Die Kirche kann feststellen, dass sie auch als schrumpfende Organisation Gehör findet. Gerade in der durchökonomisierten Welt ist ihre Botschaft wichtig, dass jeder Mensch unabhängig von seinem wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen den gleichen Wert, die gleiche unverlierbare Würde besitzt.

Doch nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht. So mancher Kirchenmitarbeiter kann die Worte Luther und Reformation kaum noch hören. Doch es wäre schade, wenn die Effekte des Jubiläums verpuffen würden. Denn es hat sich durchaus Erstaunliches getan. Im weitgehend entchristlichten Wittenberg etwa ist die Nachfrage nach öffentlichen Andachten auch nach dem Kirchentag hoch geblieben. Die Menschen schätzen diese erbauliche Unterbrechung ihres Alltags. Deshalb liegt Kirchenpräsident Schad gewiss richtig, wenn er dazu auffordert, verstärkt mit spirituellen Angeboten in die Öffentlichkeit zu gehen. Konzerte, Andachten, Gebete auf Straßen und Plätzen, einladende Räume der Stille und der Besinnung könnten helfen, Menschen zu entschleunigen und sie bei der Suche nach Sinn und Vergewisserung in einer ungewissen Welt unterstützen.

Für die Landeskirche gibt es dazu gleich im kommenden Jahr die Möglichkeit. Es gilt, dem 200. Jahrestag der Kirchenunion zu gedenken. Sicher ein inhaltlich nicht einfach zu füllendes Thema. Dafür aber mit einem knackigen Motto: mutig voranschreiten! Ein guter Rat in einer Zeit, in der vielen der Mut zu sinken droht angesichts von Terror, Klimawandel und zahllosen Krisenherden. Seit Menschengedenken lebt derzeit wohl die erste Generation von Eltern und Großeltern, die nicht vom Wunsch beseelt ist, Kindern und Enkeln solle es einmal besser gehen. Viele hoffen darauf, dass es wenigstens nicht schlechter wird. Da kann es nur guttun, wenn Kirche Mut macht und vorlebt. Mut, der aus der Frohen Botschaft und aus der Hoffnung auf eine gerechtere Welt erwächst. Das ist vielleicht nicht immer sexy. Aber lebensdienlich.

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