Landeskirche sucht ihr Selbstverständnis

von Klaus Koch

Klaus Koch

Die Evangelische Kirche der Pfalz ist eine Kirche auf der Suche nach ihrem Selbstverständnis. Das ist keine schlechte Diagnose für eine Kirche, deren Anspruch es ist, sich stetig zu reformieren. Wie alle Suchenden erprobt auch die pfälzische Landessynode neue Wege, ohne gleich alte Grundsätze aufzugeben. Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare soll in wenigen Jahren voll und ganz der Trauung von Mann und Frau gleichgestellt werden. Dabei soll aber versucht werden, den Gewissensvorbehalt derjenigen, die eine solche Trauung mit ihrem Bibelverständnis nicht vereinbaren können, beizubehalten. Bezeichnenderweise sind es die gleichen Synodalen, die diese überfällige Öffnung in eine moderne Gesellschaft hinein vorantreiben, die eine Debatte um das Bekenntnis der Landeskirche zum 200. Jahrestag der Kirchenunion im kommenden Jahr voranbringen wollen. Eine doppelte Suche: nach Zeitgenossenschaft und Selbstvergewisserung.

Mit großer Geste hat sich die Synode mit einer Resolution als Kirche für die Armen definiert. Bei der Vergabe der knapp werdenden finanziellen Mittel sollen die Bedürfnisse der Menschen am Rand der Gesellschaft das Handeln bestimmen. Doch gleichzeitig stimmten die Synodalen dafür, vier Millionen Euro dafür vorzusehen, dass die pfälzische Landeskirche zusammen mit der badischen 2027 den Deutschen Evangelischen Kirchentag in der Rhein-Neckar-Region ausrichten kann. Eine Veranstaltung, die nicht dafür bekannt ist, dass sie von sozial Benachteiligten besonders stark frequentiert wird. Also auch hier eine doppelte Suche: nach Barmherzigkeit und Glaubensfreude.

„Versöhnung – Gerechtigkeit – Partizipation“ war Titel des Schwerpunktthemas. Doch behandelt wurde vor allem die beeindruckende Arbeit des Diakonischen Werks. Eigentlich, so sagte ein Synodaler, hätte das Schwerpunktthema „Diakonisches Werk“ heißen müssen. Andere Aspekte des Themas gerieten eher in den Hintergrund. Das wundert nicht, muss die Synode doch in dieser Legislaturperiode noch über eine nachhaltige Finanzierung des Diakonischen Werks entscheiden. Da haben die Diakonie-Verantwortlichen die Gelegenheit genutzt, Werbung in eigener Sache zu machen.

Neben der Institution Diakonie und der Anwaltschaft für die Armen gibt es noch eine dritte Säule kirchlich-sozialen Handelns: die gemeindenahe Diakonie. Viele Kirchengemeinden mühen sich um Hilfe für Arme, Schwache und Kranke. Doch nur selten mündet diese Hilfe in wirkliche Teilhabe auf Augenhöhe der Bedürftigen am Gemeindeleben. Die Resolution der Synode erkennt treffend, dass die Angebote für Menschen am Rande nicht konsequent genug den Gedanken der Inklusion verfolgen, sondern mitunter ausgrenzende Tendenzen verstetigen. Hier muss sich Kirche auch auf die doppelte Suche machen: nach Stärkung der Hilfe durch kirchliche Werke und einladender Gemeinden über das bürgerliche Milieu hinaus.

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