Kein Recht auf Separatismus

von Martin Schuck

Martin Schuck

Die Nachrichten und Bilder, die uns derzeit aus der spanischen Region Katalonien erreichen, scheinen seltsam aus der Zeit gefallen: Ein vom höchsten spanischen Gericht verbotenes Unabhängigkeitsreferendum sorgt in einem Land, das nicht erst seit gestern Mitglied der Europäischen Gemeinschaft (EU) ist, für gewalttätige Auseinandersetzungen. Allen spanischen Politikern ist die Angst anzumerken, dass Katalonien zum neuen Baskenland werden könnte.

Tatsächlich fühlten sich die Katalanen niemals in ihrer Geschichte als Teil von Spanien. Im Mittelalter war das Fürstentum Barcelona eine Macht im westlichen Mittelmeer, später wurde es wider Willen zunächst Teil von Aragon, dann von Spanien. Unter der Diktatur Francisco Francos (1936 bis 1975) verloren die Katalanen sämtliche Privilegien, die sie zuvor erkämpft hatten. Nach dem Ende der Diktatur konnte der Gegenschlag dann nicht ausbleiben. Katalonien erkämpfte sich eine sehr weitgehende Autonomie, die aber der Region vor einigen Jahren wieder teilweise entzogen wurde.

Aber das ganze geschichtliche Hin und Her kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die katalanische Bevölkerung mehrheitlich kein Interesse hat, Spanien zu verlassen. Am verbotenen Referendum beteiligten sich nicht einmal die Hälfte der wahlberechtigten Katalanen. Die angebliche Zustimmungsrate von 90 Prozent drückt nur aus, dass alle Separatisten das Verbot ignorierten und zur Wahl gingen. Diese Grundlage berechtigt die von Separatisten dominierte katalanische Regionalregierung jedenfalls nicht zur Abspaltung von Spanien. Deshalb ist es ein gutes Zeichen, dass alle europäischen Politiker signalisiert haben, einen eigenständigen katalanischen Staat nicht anerkennen zu wollen.

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