Bibellese

Sonntag, 14. Januar, Psalm 55

Bitte um Gottes Gegenwart

Ein Mensch in Not bittet inständig um Gottes Gegenwart: Sieh mich an, verbirg dich nicht, Gott! Sieh an meine Not und meine Bedrängnis! Was ist ihm geschehen? So viel erfahren wir und verstehen seine Not: Ein einst guter Freund, sehr vertraut miteinander und beide auch in ihrem gemeinsamen Glauben verbunden, sind sich fremd geworden, ja geradezu feindlich gesinnt. Gerne würde er fliehen, wegfliegen, wie die Tauben. Er möchte seine Ruhe haben, nichts mehr davon wissen. Weil das nicht möglich ist, bittet er Gott um Hilfe. Zumindest die Sprache der Bedränger soll Gott verwirren oder diese gar dem Tod übergeben. Die Wut des Beters ist spürbar. Gott wird ihm Recht verschaffen, diese Zuversicht hat der Beter und noch eine andere, die ihn versöhnt: Alle seine Anliegen sind bei Gott gut aufgehoben und werden dort auch gehört. Sehr ergreifend und zuversichtlich vertonte Mendelssohn-Bartholdy im „Elias“: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen.“

Montag, 15. Januar, 5. Mose 2, 16–25

Beginn einer Zeitenwende

Es ist weiterhin Mose, der von der Wanderung durch die Wüste berichtet. Nun ist es so weit. Die Kriegsleute, denen der Zutritt zum verheißenen Land verwehrt worden war, sind nun alle gestorben. Weiterhin durchstreift das Volk Israel das Land, das bereits von anderen Völkern bewohnt wird: Da ist das Land der Ammoniter. Ob sie endlich hier das Land einnehmen sollen? Nein, Gott hat es für ein anderes Volk vorgesehen. Dieses Land wird weiterhin von den Ammonitern bewohnt bleiben, weil es der Herr so will. So geht die Reise weiter. Der Herr gibt Weisung, wohin die Reise geht: Der schmale Fluss Amon ist zu überschreiten. Dort, jenseits des Flusses, regiert Sihon, der König der Amoriter. Hier soll das Volk seinen Kampf aufnehmen. Der Herr habe den König samt seinem Land in die Hände von Mose gegeben. Es beginnt eine Zeitenwende: Der Herr versichert Mose: „Von heute an will ich Furcht und Schrecken vor dir auf alle Völker unter dem ganzen Himmel legen, damit, wenn sie von dir hören, ihnen bange und weh werden soll vor deinem Kommen.“

Dienstag, 16. Januar, 5. Mose 3, 12–29

Verteilung des Landes

Nun wird das eroberte Land an die verschiedenen Stämme verteilt: Sehr detailliert werden die Grenzen beschrieben. Bekräftigt und legitimiert wird diese Aktion der Landnahme durch die Bevollmächtigung des Herrn. Die weiteren Aktionen der Landnahme werden dargelegt: Die Kriegsleute ziehen voraus und erobern das Land, erst dann holen sie die Familien und den Besitz nach. Hier nun kommt Josua in den Blickpunkt. Er, der von Anfang an dafür vorgesehen war, das Land zu betreten, auf ihn wird nun die Verantwortung übertragen. Doch die Sehnsucht von Mose, das Land zu betreten, ist weiterhin groß. Zwar hat er bereits, wie in Deuteronomium 1, 37 zu lesen, dazu keine Erlaubnis, doch er bittet erneut, mit einschmeichelnden Worten, darum, das Land betreten zu dürfen. Er rühmt Gottes Macht und Herrlichkeit, dazu das gute Bergland und den Libanon. Doch vergebens! Sein Wunsch wird nicht erhört. Der Herr will davon nichts mehr hören. Mose darf hinüberschauen. Das muss genügen. Doch Josua, der soll „getrost und unverzagt“ hinziehen über den Jordan.

Mittwoch, 17. Januar, 5. Mose 4, 1–14

Gebote und Rechte für Israel

Das Kapitel 4 beginnt mit dem Aufruf „Höre, Israel“! Was jetzt kommt ist maßgeblich, bedeutungsvoll für die Zukunft. Diese Gebote und Rechte sollen bei Israel gelten. Nichts soll dazukommen und nichts davon weggenommen werden. Einer Beschwörung gleich wird das Volk eingeschworen auf die Überlieferung. Das Volk Israel wird gerühmt als weise und verständige Leute, wird beschrieben als ein herrliches, großes Volk. Es geht hauptsächlich um das Bekenntnis zum Herrn als dem einzigen Gott. Es wird ermahnt, den Nachkommen die Geschichte weiterzugeben von Anfang an. Mose erinnert nun daran, wie der Herr seinen Bund verkündet, erinnert an die Zehn Worte, die wir als Zehn Gebote kennen. Die Darstellung der Geschichte ist uns geläufiger in der Version von 2. Buch Mose, Kapitel 20. Hier gibt es eine großartige Inszenierung: Der Berg steht in Flammen, und Gott spricht die Zehn Worte aus dem Feuer heraus. Diese zwei beschriebenen Tafeln sind nun das Vermächtnis. Sie beinhalten die Gesetze und Rechte für die Zukunft. Danach ist zu handeln bei der Landnahme.

Donnerstag, 18. Januar, 5. Mose 4, 15–24

Kein Bild von Gott

Gott hat aus dem Feuer heraus geredet, ausschließlich in Worten, jedoch ohne Gestalt. Mose ermahnt alle, um ihres Lebens willen sich kein Bild vom Herrn zu machen: weder als Mensch noch als Tier noch als Himmelskörper darf Gott, der Herr, dargestellt werden. In vielen anderen Völkern des Orients waren diese Götterdarstellungen üblich. Auch in Ägypten hatten die Israeliten diese Bilderflut der Götterwelt erlebt. Himmelskörper, insbesondere die Sonne, der Pharao, ein Mensch, auch Tiere wurden als Götter verehrt und angebetet. Mose erinnert unausgesprochen an die Anbetung des Stierbilds aus Gold, bekannt unter dem Stichwort „Tanz ums goldene Kalb“, das den Herrn erzürnt habe. Er, Mose, der sich so sehr eingesetzt hat für sein Volk, er muss nun die Konsequenzen tragen. Er darf als Strafe das Land jenseits des Jordans nicht betreten, darf nur hinüberschauen. Es kränkt ihn. So wiederholt er für alle zur Erinnerung die beiden wichtigsten Gebote: Vergesst den Bund des Herrn nicht! Macht euch kein Bildnis von Gott!

Freitag, 19. Januar, 5. Mose 4, 25–40

Sorge für den Bedrängten

Mose ermahnt weiterhin. Er zeigt seinem Volk die harten Konsequenzen auf, die eine Übertretung der Gebote nach sich ziehen würde. Himmel und Erde ruft er zu Zeugen. Würde der Herr durch das Verhalten des Volks erzürnt, so könnten sie nicht im Land bleiben. Der Herr selbst würde sie zerstreuen unter die Völker und nur wenige blieben übrig. Diese wenigen müssten tun, was ihnen zutiefst widerspricht: Sie hätten toten Göttergestalten zu dienen. Das sind die Konsequenzen, die Mose aufzeigt. Ab Vers 29 nun ändert sich die Sprache. Die ermahnenden, drohenden Worte sind zu Ende. Die Sprache wird werbend. Es spricht eine Sorge aus den Worten von Mose, geradezu eine Seelsorge für die zuvor Bedrängten. Auch die Anrede verändert sich. Nicht mehr das ganze Volk ist angesprochen, jetzt ist der einzelne Mensch im Blick, wird als ‚Du‘ angesprochen. Es verändert sich auch die Rede von dem Herrn. Als barmherziger Gott wird er hier vorgestellt, der von sich aus den Bund halten will. So oft und vielfältig hat Gott seine Erwählung und Liebe gezeigt.

Samstag, 20. Januar, 5. Mose 5, 1–22

Gottes Bund mit Israel

Wir kennen das aus unserem Leben. Eine erinnerte Geschichte verändert sich. Wir erzählen ein Ereignis aus vergangenen Jahren, doch das Erlebnis wird aus einem anderen Blickwinkel erzählt. Die Geschichte vom Bundesschluss und der Übergabe der Zehn Gebote ist uns eher bekannt in der Version vom 2. Buch Mose 20. Hier konzentriert sich alles auf den Bundesschluss Gottes mit Israel am Horeb und die Überlieferung der Zehn Gebote. Eine deutlich veränderte Argumentation fällt auf. Das Gebot der Heiligung des Sabbats wird hier mit dem Auszug aus Ägypten begründet, im 2. Buch Mose schöpfungstheologisch. Die Worte der Zehn Gebote sind bekannt, oft werden sie nach wie vor auswendig gelernt. Für viele Menschen ist besonders die zweite Gesetzestafel vom vierten bis zehnten Gebot eine zusammenfassende Ethik. Beeindruckend ist immer wieder im fünften Gebot die Begründung für das Ehren der Eltern, „… auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe …“. Es ist bedenkenswert, dass das Ehren der Eltern mit dem eigenen Wohlergehen zusammen gesehen wird, nicht mit deren Wohlergehen. Gudrun Herzer

 

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