Bibellese

Sonntag, 15. Juli, Psalm 53

Glaube zeigt sich in den Früchten

Manchmal empören Christen sich über Atheisten, deren Weltbild „rein wissenschaftlich“ ist und die einen Schöpfergott leugnen. Der Psalm prangert eine andere Art von „Gottlosigkeit“ an. Sie ist praktischer Natur: Gottesleugnung geschieht im Verhalten. Von Gott abzufallen, verkörpert sich in bösem Tun. Wer den Nächsten abschätzig behandelt, Gutes mit Bösem vergilt, Gefühle verletzt und Notlagen zum eigenen Vorteil ausnutzt, der leugnet Gott. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Wer einen Menschen beleidigt, beleidigt Gott. So kann es religiöse Leute geben, die „Gott“ auf den Lippen führen, im Verhalten aber gottlos sind. Fehlendes Grundvertrauen – Furcht, wo sie unnötig ist – mag der Grund sein. Man kann in Worten Gott bekennen, doch Macht missbrauchen und unter moralischen Phrasen andere Menschen erniedrigen. Auch innerhalb der Kirche soll es Intrige und Gemeinheit geben. Wo das Bekenntnis zu Gott nicht in Güte zum Menschen umgemünzt wird, wird Gott praktisch geleugnet. Der Glaube zeigt sich an seinen Früchten.

Montag, 16. Juli, Johannes 5, 19–23

Gott wird konkret

Wo Jesus ist, da ist zugleich der Allerhöchste gegenwärtig, die eine Kraft, die alles geschaffen hat und vollenden wird. Jesus handelt nicht von sich aus, sondern in Verkörperung Gottes. So kommt er der Schöpfung zum Gericht. Hier tritt der Mensch – seit seiner Erschaffung zu Gottes Ebenbild erklärt – in die Wirklichkeit des Lebens ein. Wo Jesus geehrt wird, wo Menschen nach seinem Vorbild Güte praktizieren, einander helfen, Ausgegrenzte besuchen, Schwache stärken, Ungerechtigkeit beim Namen nennen, da ehren Menschen ihren Schöpfer.

In Jesus wird Gott sichtbar – und es wird unmöglich, ihn nach „weit oben“ wegzuschieben, seine Forderungen an ein gerechtes Leben zu verdrängen. Das ist das Ärgernis, das Jesus bereitet. Gott ist zwar groß, aber an jeder Träne, jedem Einzelschicksal und allem Leid interessiert. Er ist ewig und überall und zugleich mitten unter uns anwesend, uns fragend und herausfordernd. So verliert Religion den Charakter der bequemen Vertröstung. So wird Glaube konkret.

Dienstag, 17. Juli, Johannes 5, 24–30

Gericht und Vertrauen

Vertrauen ist Leben: Schon die Erfahrung des Alltags lehrt, dass nur mit der nötigen Portion Zuversicht die Vorhaben gelingen können. Wer immer nur zaudert, dem entgleitet am Ende alles. Das ist ein kleines Gleichnis des ewigen Lebens: Ich komme nicht auf die „Gewinnerseite“, indem ich große Taten vollbringe, immer gerecht bin, Lüge bekämpfe und Wahrheit ausbreite – sondern einzig und allein, indem ich dem Vater Jesu Christi für mich alles Gute zutraue. In Jesus ist Gott in letzter Konsequenz „mein“ Gott geworden, und ihn beleidigt nichts mehr, als wenn ich mein Tun und Lassen wichtiger nehme als seine Güte. Das Vertrauen auf Gottes Treue macht mich frei, gute Werke zu tun. Ich werde Lüge bekämpfen und Wahrheit ausbreiten, Benachteiligten beistehen und Vorurteile infrage stellen, weil ich durch Jesus einen festen Grund habe. Ich handle nicht mehr gut, um mir damit den Himmel zu verdienen, sondern aus der Gewissheit des Heils heraus. Wer heute auf Jesus vertraut, hat Anteil am Himmelreich und das Gericht schon hinter sich.

Mittwoch, 18. Juli, Johannes 5, 31–47

Kleine und große Zeugen

Von sich selbst kann niemand gültiges Zeugnis ablegen. Jesus verweist auf viele Zeugen. Zunächst auf den Täufer Johannes, den religiösen Erneuerer, der viele Juden jener Zeit für Jesu Worte und Taten sensibilisierte. Johannes heißt „ein brennendes und scheinendes Licht“, bestimmt freilich nur für „eine kleine Weile“. Anders die „großen“ und ewigen Zeugen Jesu: Da ist „die Schrift“, in der gläubige Juden wie Christen ewige Wahrheit finden. Sie dokumentiert die vielfältige Erfahrung des Volkes Gottes, Höhen und Tiefen der Geschichte Israels, gespiegelt in der Zusage des Glaubens. Die Bibel, unser Altes Testament, zeugt von Jesus, denn es ist genau der eine Gott, der mit dem jüdischen Volk durch dessen Geschichte wandert und der in Jesus mit seiner menschenfreundlichen Leidenschaft bis zum Letzten ernstmacht. Schließlich und entscheidend zeugen für Jesus sein göttlicher Vater und der Heilige Geist. Im Johannesevangelium klingen immer wieder Momente der christlichen Lehre von Gottes Dreieinigkeit an. Jesus ist eines Wesens mit dem Vater und dem Geist.

Donnerstag, 19. Juli, Johannes 6, 1–15

Das Missverständnis

Jesus ist der souveräne Meister der Situation. Wo er zum Mahl einlädt, werden alle satt – gegen enge Regeln der Berechnung und Verzagtheit. Wo Jesus in der Einheit mit seinem Vater handelt, durch das Gebet verbunden, füllen die Reste fünf kleiner Gerstenbrote gleich zwölf große Körbe. Das Fest endet allerdings zwiespältig. Zwar spürt das Volk die Besonderheit dieses einen Menschen, es sieht Jesus aber in einer verkürzten, auf das Politische reduzierten Sicht: Man will Jesus, den Großen, zum König erheben. Dass er schon viel mehr ist, nämlich Gott als Mensch, nimmt die Menge der Besucher nicht wahr. Einst verachtete das biblische Israel Gottes Herrschaft und begehrte einen menschlichen König, wie ihn die Völker rundherum besaßen; jetzt erniedrigen sie den ewigen Erlöser zum politischen Helfer. Da entflieht Jesus lieber. Die Lage spitzt sich zu. Das Missverständnis steht unter dem Schatten, den die Stunde der Kreuzigung vorauswirft.

Freitag, 20. Juli, Johannes 6, 16–21

Überraschende Gegenwart

Für die Jünger war es ein enttäuschender Tag gewesen. Jesus war nicht gekommen. Nun kam der lästige Gegenwind auf der Fahrt nach Kapernaum hinzu. Manchmal ist das Leben nur mühsam, scheint der Erfolg und überhaupt der Lebenssinn fern. Die Gegenwart Jesu überrascht. Er ist da, gerade dann, wenn seine Jünger das Gefühl haben, in frustrierender Langeweile zu vergehen. In der trübsten Stunde zeigt er sich. Er kommt zu ihnen ins Boot – schon gelangen sie ans Ziel. Um das Wunder des Wandels auf dem Wasser geht es hier nicht; es geht um den Appell an das Vertrauen.

Auch dort, wo Jesus nicht direkt sichtbar ist, leben die ihm Verbundenen in seiner heilsamen Gegenwart. Das ist ein Trost, der weit ausgreift. Auch in unserem Leben können Phasen der Enttäuschung lange andauern. Doch Jesu Mitgehen ist gewiss.

Samstag, 21. Juli, Johannes 6, 22–27

Verborgene Wahrheit

Auch ohne Klatschpresse und Internet funktioniert die Gerüchteküche: Die Leute verfolgen jeden Schritt Jesu wie bei einem Prominenten, einer bunten Erscheinung, die Abwechslung in den grauen Alltag bringt. Ohne eine gewisse Aufmerksamkeit im Volk wäre der Weg Jesu in die Welt nicht zum Ziel gelangt. Letztlich sind es ja die Mächtigen, durch entstandene Unruhe provoziert, die Jesus ans Kreuz schlagen und so die wahre Stunde seiner Erhöhung herbeiführen. Dennoch ist Jesus ungehalten, denn die vielen Menschen verkennen ja seine Sendung und sein Wesen. Ihnen geht es um das vorher gefeierte Festmahl, um die Erinnerung an eine schöne Episode. Die göttlichen Zeichen nehmen sie nicht wahr. Und später, am Kreuz, wird ihn die Volksmenge verhöhnen. Da wird er vor aller Augen der Gescheiterte sein. Dass Jesus in der Hingabe seines Lebens zu Gott erhöht wird und dass in dieser Hingabe für alle Menschen die Einladung zum ewigen Leben steht, das liegt jetzt tief hinter der öffentlichen Szene verborgen. Klaus Beckmann