Bibellese

Sonntag, 18. November, Psalm 50

Was Gott von uns erwartet

Gott will nicht mit ein paar Gottesdiensten abgespeist werden. Er möchte nicht nur sonntags eine Stunde von uns, aber im Alltag soll er uns gefälligst in Ruhe lassen. Gott möchte auch nicht, dass wir ihm von unserem Überfluss ein bisschen abgeben. Sondern Gott möchte unser Herz. Er möchte in unserem ganzen Leben eine Rolle spielen. Und so möchte er, dass wir in der Not nicht anderen nachlaufen, die uns das Blaue vom Himmel versprechen. Sondern Gott möchte, dass wir uns auch in der Not ihm zuwenden. Wenn wir ihm unser Herz öffnen, dann können wir spüren, dass Gott uns wirklich durch das Leben begleitet. Es ist wie bei einer Liebesbeziehung, da will ich auch nicht nur ein bisschen Zeit vom anderen, sondern da liebe ich ihn ganz, und ich möchte sein Herz ganz. So ist Gott zu uns. Wir haben sein Herz ganz, das ist mehr, als wir uns erträumen lassen können. Aber er möchte eben auch unser Herz. Er möchte, dass er in unserem ganzen Leben Raum hat. Denn nur so können wir seine Lebensbegleitung auch jenseits der Feiertage in unserem Alltag spüren.

Montag, 19. November, Jesaja 1, 1–9

Ein Prophet hat es nicht leicht

Ein Prophet redet den Menschen nicht nach dem Munde, sondern er sagt ihnen schonungslos, wo es hinführt, wenn sie ihre Wege ganz ohne Gott gehen. Solche Leute haben wir nicht gerne. Aber nicht nur die Mächtigen verlieren den Kontakt zur Realität, wenn sie sich nur noch mit Jasagern umgeben. Der Prophet Jesaja redet Tacheles: Selbst ein Tier sei schlauer als Menschen, weil ein Tier genau weiß: Die Hand, die mich füttert, soll ich nicht beißen. Wir Menschen meinen, wir könnten alles besser. Wir bräuchten Gott nicht mehr. Doch wenn Menschen keine höhere Instanz mehr über sich akzeptieren, dann fühlen sie sich wie Gott. Und das ist in der Geschichte der Menschheit noch nie gut gegangen. Ich frage mich heute: Bin ich auch bereit, prophetisch zu reden oder rede ich den anderen lieber nach dem Munde? Es braucht in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche Menschen, die bereit sind, prophetisch zu reden und den Menschen so den Willen Gottes bekannt zu machen. Denn nur dadurch können wir als Kirche unser Profil schärfen und Orientierung geben.

Dienstag, 20. November, Jesaja 1, 10–20

Entweder oder

Entscheidet euch, ruft Gott uns heute zu. Aber wir machen es uns mit den Entscheidungen im Leben so schwer. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Nach diesem Motto versuchen viele ihren Glauben zu leben. An Weihnachten und ab und zu sonntags in die Kirche gehen. Im Alltag, da herrschen andere Gesetze, so sagt man. Doch Gott will kein Lückenbüßer sein. Er stellt uns vor eine Entscheidung: für ihn oder gegen ihn. Da gibt es kein Wischiwaschi. Aber wir bekommen heute von Gott eine großartige Verheißung, die uns schon im Alten Testament zugesagt wird: Wer sich für Gott entscheidet, der kann von seinen Altlasten des Lebens freikommen. Der kann Sündenvergebung erhalten. Seit Jesus Christus wissen wir, dass Gott uns nicht zu viel versprochen hat. Es braucht aber auch heute Menschen, die in der Kirche und in unserer Gesellschaft die Mitmenschen vor die Entscheidung stellen: für ein Leben ganz mit Gott oder für ein Leben ganz ohne Gott. Da gibt es keine Kompromisse. Hier ist Gott eindeutig, weil Sündenvergebung immer die Eindeutigkeit braucht.

Mittwoch, 21. November, Jesaja 1, 21–31

Gottes Gerechtigkeit ist besser

Gott liest den Israeliten damals und uns heute die Leviten. Das passt zum Buß- und Bettag. Es geht Gott nicht um Kleinigkeiten, sondern um die Gerechtigkeit an sich. Ganz eindeutig nennt Gott Unrecht, was Unrecht ist. Wenn Menschen öfter so eindeutig reden würden. Doch das Gute an Gott ist, dass er nicht voll Hass ist und alles vernichten will, sondern dass er uns zur Umkehr ruft. Gott hat keinen Gefallen daran, uns ins Verderben rennen zu lassen, sondern er schickt uns bis heute Menschen, die uns wieder auf gute Wege führen wollen. Denn letztlich tut es uns nicht gut, wenn wir meinen, wir könnten unsere eigene Gerechtigkeit erschaffen. Wir wüssten besser, was gut ist und was schlecht. Gottes Gerechtigkeit mag auf den ersten Blick nicht so attraktiv erscheinen wie die Versprechungen der Rattenfänger dieser Tage. Aber Gott verheißt uns nicht das Paradies auf Erden und lässt uns dann alleine im Regen stehen, wenn es schiefgegangen ist. Sondern wer sich Gottes Gerechtigkeit anvertraut, der ist auf der richtigen Seite. Denn Gott hält, ganz sicher, was er verspricht.

Donnerstag, 22. November, Jesaja 2, 1–5

Paradiesisch

Gott gibt die Welt mit seiner Menschheit nicht auf. Eben musste der Prophet noch das Gericht verkünden, doch nun lässt Gott Jesaja einen Blick hinter den Vorhang schauen, damit er erkennen kann, was Gott wirklich mit seiner Welt vorhat. Am Ende der Zeiten steht nicht die totale Vernichtung, sondern da gibt es einen neuen Anfang. Doch das Paradies, das der Prophet hier verheißt, verspricht uns nicht ungeahnten Reichtum oder uneingeschränkte Macht. Diese Versprechen hat der Versucher bei Jesus gemacht, doch Jesus wusste, dass nichts davon gehalten würde. Das Paradies Gottes entsteht nicht durch Macht oder Reichtum, sondern nur dann, wenn alle Völker wieder nach Gott fragen. Die Völkerwallfahrt auf den Berg Zion ist das Symbol dafür, dass Menschen sich diesem Gott anvertrauen. Und wenn jeder nur die Zehn Gebote halten würde, dann sähe die Welt wirklich ganz anders aus. Dann würden Schwerter endlich zu Pflugscharen. Wir Menschen schaffen das aus uns heraus nicht. Aber wir sollten es wenigstens versuchen in dem Vertrauen, dass Gott seine Verheißung erfüllt.

Freitag, 23. November, Jesaja 2, 6–22

Der Tag wird kommen

Der Prophet kann schauen, wohin alles führen wird. Es wird eben nicht ewig so weitergehen, dass der, der von Gott nichts wissen will, besser dran zu sein scheint. Es kommt der Tag, da ist Zahltag. Es kommt der Tag, an dem es eben nicht mehr so weitergeht wie bisher, sondern an dem wir uns unseren Taten stellen müssen. Dann können wir nichts mehr verstecken, sondern es wird alles schonungslos offengelegt. Wenn Gott uns mit seinem göttlichen Licht durchleuchtet, dann kommen auch unsere verborgensten Dinge zutage. Und das, finde ich, ist schon Gericht genug. Solch eine Prophezeiung kann Angst machen. Und dass will sie auch. Sie will einen heilsamen Schrecken erzeugen, dass wir wieder merken, was wirklich wichtig ist. Dass nur Gott allein uns wahren Halt geben kann im Leben. Nicht irgendwelche Götzen, sondern Gott selber kann helfen, wenn sein Tag kommt. Denn Gottes Licht will uns nicht vernichten, sondern es will uns heilen. Seit Jesus wissen wir, dass der Tag des Herrn ein Tag der Vergebung sein kann, wenn wir uns diesem Jesus anvertrauen.

Samstag, 24. November, Jesaja 3, 1–15

Wohin alles führt

Wenn jeder sich selbst der Nächste ist, dann geht es drunter und drüber auf dieser Welt. Jesaja redet hier prophetisch. Er sagt den Menschen, was passiert, wenn sie so weitermachen. Und manchmal braucht man heute kein Prophet zu sein, um sehen zu können, wo alles hinführt, wenn jeder nur sein eignes Heil sucht. Und die große Versuchung ist ja, dass derjenige, der nicht nach Gott fragt, der nur sich selbst sieht und nur das tut, was ihm einen Vorteil verspricht, dass es demjenigen scheinbar besser geht. Dass solch ein Tun Erfolg verspricht. Kurzfristig gedacht ist das auch richtig. Doch der Prophet kann weiter schauen. Wenn jeder nur an sich selbst denkt, endet es doch im Chaos. Da braucht Gott gar keine Strafen losschicken. Das Chaos und die Vernichtung schaffen wir Menschen selbst. Wer dagegen sein Vertrauen auf Gott setzt, der kann sich wohltuend von den Menschen absetzen, die sich nur um sich selbst drehen. Hören wir auf den Propheten und wenden uns Gott zu, dann können wir dem Treiben der Welt etwas Gutes entgegensetzen. Heiko Schipper