Bibellese

Sonntag, 20. Mai, Psalm 99

Die Heiligkeit Gottes

Der Psalm feiert die Thronbesteigung Jahwes, des Gottes Israel: „Der Herr ist König geworden.“ Wir haben allen Grund zur Freude, denn Gott richtet sein Reich der Güte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit für uns und alle Völker auf. Das Wort „heilig“ ist der Kehrreim seiner drei Strophen. In der ersten Strophe bezeugt der Psalmist die Heiligkeit Gottes. Wer in die Nähe Gottes kommt und sich dort aufhält, hat die Erhabenheit und Heiligkeit Gottes unbedingt zu beachten. Gott ist ganz anders, und dennoch dürfen wir uns ihm nahen. In der zweiten Strophe hebt der Psalmist hervor, wie gerecht Gott an uns handelt. Gott liebt das Recht und ist stets auf der Seite derer, die entrechtet werden. In der dritten Strophe erinnert der Verfasser des Psalms uns an drei große Zeugen des Glaubens, die Gott anriefen und erhört wurden, die Priester Mose und Aaron und den Seher Samuel. Weil sie die Heiligkeit Gottes anerkannten, hat Gott sie erhört und sich dem abtrünnigen Volk wieder gnädig zugewandt.

Montag, 21. Mai, Psalm 81

Grund zum Jubeln

Dieser Psalm, der dem Leviten Asaf zugeschrieben wird, beginnt mit einem Aufruf zum feierlichen Lobe Gottes bei einem Fest. Es bleibt unklar, ob es sich um das Laubhüttenfest oder das Passahfest handelt. Dennoch: Israel kann wahrlich jubeln, weil Gott es aus der Knechtschaft in Ägypten geführt hat, und am Sinai wurde Mose das Gesetz Gottes offenbart. Immer wenn Israel in Not war, konnte es Gott anrufen, der geholfen hat. Diesen Dank und Jubel beschreibt der erste Teil des Psalms bis Vers 8, wo es heißt: „Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus und antwortete dir aus Wolke und Donner und prüfte dich am Haderwasser.“ Im zweiten Teil ermahnt Gott durch einen Propheten das Volk, sich nicht an fremde Götter zu hängen, sondern allein an den Gott Israels zu glauben. Die letzten vier Verse gehen auf den Abfall von Gottes Wegen und die Not des Volkes ein. Gott wäre bereit, seinem Volk zu helfen, aber die Menschen sind oft nicht bereit, Gottes Hilfe anzunehmen. Ganz bildlich beschreibt der Psalm, wie Gott das Volk mit bestem Weizen und Honig beschenken würde, wenn es denn gehorsam wäre.

Dienstag, 22. Mai, Hebräer 10, 1–18

Der neue Gehorsam

Um den Gedanken der Notwendigkeit des Opfers Christi zu vertiefen, beleuchtet der Verfasser des Briefs in diesen Versen das Ungenügen der alttestamentlichen Opferpraxis. Die vielen vergeblichen Opfer der Jerusalemer Priester werden dem einmaligen wirksamen Opfer Christi entgegengestellt. Die Opfer der Priester bewirken keine endgültige Vergebung, sondern ein ständiges schmerzhaftes Gedenken der Sünde. Anstatt die Gewissen von Sünden zu entlasten, kommt es gerade zum Gegenteil, zur ständigen Belastung der Gläubigen, was sie unmöglich dem Ziel einer totalen Erlösung und Vollendung näherbringt. Der Verfasser macht deutlich, dass Gott das Tieropfer verwirft und einen neuen Gehorsam verlangt. Wie der neue Gehorsam aussehen kann, wird durch das Schriftwort aus Psalm 40, 7–9 deutlich, das auf Christus hindeutet. Mit der Person Jesu Christi, der seinen Leib darbringt und Gottes Willen völlig tut, sind wir ein für allemal geheiligt und erlöst.

Mittwoch, 23. Mai, Hebräer 10, 19–25

Der Weg ist frei

Bis zum 1. Jahrhundert, bevor der Tempel in Jerusalem durch die Römer zerstört wurde, war allen Gläubigen klar, dass Gott dort wohnt. Dort, im Allerheiligsten, dem innersten Raum des Tempels, der durch einen riesigen kostbaren Vorhang von den anderen Räumen getrennt war. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester nach ausgiebigen Reinigungsritualen den Vorhang beiseiteschieben und sich der Wohnung Gottes nähern. Diese Bilder sind es, die der Verfasser des Hebräerbriefs im Kopf hat, als er die Worte unseres Textes schreibt. Er möchte den Adressaten des Briefs Mut machen: Seit Gott seinen Sohn in die Welt geschickt hat, ist der Zugang zu Gott frei für jeden und jede von uns. Es braucht keine jährlichen Reinigungsrituale mehr, keinen besonderen Priester, der zwischen Gott und Mensch vermitteln muss. Denn Jesus selbst lässt uns mitten in das Allerheiligste gelangen, ohne Bedingungen. Weil Gott Mensch geworden ist, ist der Weg frei.

Donnerstag, 24. Mai, Hebräer 10, 26–31

Die Akademie

Den Apostel bewegte die Sorge, dass die Hebräerchristen vom Glauben abfallen könnten. Von dieser Sorge bewegt spricht der Apostel nun vom „mutwilligen Sündigen“. Gemeint ist ein Leben in Sünde. Wer nicht aus Glauben lebt, lebt in Sünde. Der Tiefpunkt eines Lebens in Sünde ist, dass man dem Glauben an Jesus Christus absagt. Dieses Absagen von Jesus beschreibt der Apostel im Vers 29 mit den Ausdrücken „der den Sohn Gottes mit Füßen tritt“, „das Blut des Opfers für unrein hält“ und den „Geist der Gnade schmäht“. Der Apostel sieht also die furchtbare Möglichkeit, dass ein Mensch, der sein Leben Jesus Christus ausgeliefert hat, sich wieder vom Herrn abwendet und seinen Hass gegen Christus richtet. Mit diesen Worten macht der Apostel deutlich, dass wir niemals, wenn wir uns einmal zum Herrn hingewandt haben, diese Entscheidung wieder rückgängig machen können. Wir sind vor die Alternative gestellt, die Gabe des Opfers Christi anzunehmen oder ins Gericht Gottes zu kommen.

Freitag, 25. Mai, Hebräer 10, 32–39

Aus Glauben leben

Die Hebräerchristen sollten sich an die ersten Tage ihres Glaubenslebens erinnern. Sie wurden um ihres Christennamens willen öffentlich gebrandmarkt, beraubt und ins Gefängnis geworfen. Doch all das hatten sie erduldet, und zwar nicht nur irgendwie, sondern mit Freuden. Wie konnten sie so eine Leidensbereitschaft aufbringen? Vers 34 schließt ab mit den Worten: „Weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.“ Sie konnten so viel erdulden, weil sie die Hoffnung auf das Himmelreich hatten. Der Verfasser des Briefs erinnert die Hebräerchristen, wie sehr sie früher aus der Kraft der Hoffnung gelebt haben. Dies sollte für sie eine Ermutigung sein, weiterhin in lebendiger Hoffnung zu leben. Diese Ermahnung des Apostels gilt auch uns. Was ist aber das Fazit aus all dem? Lesen wir gemeinsam Vers 38: „Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.“ Wir sollen aus Glauben leben. Durch den Glauben sind wir gerettet und gerecht geworden.

Samstag, 26. Mai, Hebräer 11, 1–7

Die Glaubenszeugen

Der Schreiber befürchtet, dass die Gemeinde in ihrem Glauben ermattet. Um sie zu stärken, berichtet er von den Glaubenszeugen der Vergangenheit, den Frauen und Männern des Alten Testaments. Sie haben ohne sichtbare Beweise in ihrem Leben auf Gott vertraut. Der Hebräerbrief möchte Mut machen mit seiner einzigartigen Definition von Glauben als „eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“. Durch diesen Glauben erkennen wir, dass die Welt, wie wir sie sehen, durch Gottes Wort geschaffen ist aus dem Nichts. Wir erinnern uns an die Schöpfungsgeschichte. Der letzte Grund unserer Existenz ist nicht das, was wir mit unseren Sinnen begreifen, sondern Gottes Wort und Wille hinter der sichtbaren Welt. Gelebt hat diesen Glauben vorbildhaft Abel, der Gott ein besseres Opfer dargebracht hat als Kain. Durch diesen Glauben wurde Henoch von Gott entrückt, und Noah rettete die Seinen, weil er Gottes Wort mehr glaubte als dem, was er sah. Joachim Geiling