Bibellese

Sonntag, 21. Januar, Psalm 54

Gott errettet mich

Jeder Mensch kennt Zeiten in seinem Leben, wo er nur noch um Hilfe und Beistand bitten kann. „Hilf mir, Gott!“ Gut ist dran, wer seine Bitten vor Gott bringen kann, vertraut ist mit der Hinwendung zu Gott. Der hier betet, fürchtet um sein Leben. Die Not ist groß. An dieser Stelle steht im Psalm das Sela. Weist das Sela auf ein musikalisches Zwischenspiel hin? Steht es für eine Pause? Es braucht an dieser Stelle einen Ruhepunkt. Das Leben entwickelt sich, Stimmungen springen nicht einfach um. Mitten in der Not wird die Zuversicht größer, dass es der Herr ist, der auch sein bedrohtes Leben erhält und bewahrt. „Siehe, Gott steht mir bei!“ Schaut nur her, alle, die ihr mich bedrängt, „Gott erhält mein Leben“. Es ist, als richte sich ein Gebeugter auf und gewinnt an innerlicher Stärke, weil ihn Gott selbst groß macht. Mit Freude will er Gott danken. Das Danken tröstet ihn, es macht ihn so groß, dass die Feinde in seinen Augen zu schrumpfen beginnen. Die Gewissheit ist da: „Du errettest mich aus aller meiner Not.“

Montag, 22. Januar, 5. Mose 5, 23–33

Begegnung mit dem Heiligen

Die Begegnung mit der Stimme Gottes aus dem Feuer, mit dem Herrn, beunruhigt das ganze Volk. Ja, sie haben die Erfahrung gemacht, dass der Herr mit Menschen redet, doch erschüttert sie diese grundsätzliche Frage nach Leben tief. Müssen wir jetzt sterben, weil wir diese Erfahrung der Gottesbegegnung gemacht haben? So fragen sie einander und auch Mose. Die Begegnung mit dem Heiligen, dem Göttlichen löst eine doppelte Anziehung aus: Sie fasziniert einen Menschen ganz und gar durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu dem Erhabenen, zugleich ist da die tiefe Furcht, der Abgrund, der sich auftut. Die Begegnung mit dem Göttlichen, mit Gott, hat immer diese beiden Seiten, sie ist faszinierend, anziehend und lehrt die Ehrfurcht. Diese Erfahrung der Gottesnähe macht auch hier das Volk. So bitten sie Mose, als Vermittler zwischen dem Herrn und dem Volk tätig zu sein. Mose wird in dieses Amt vom Herrn selbst eingesetzt und überbringt nun in Gottes Namen: Sie alle, das ganze Volk, sollen das ganze Gesetz halten und auf Gottes Wegen wandeln. So werden sie leben, und es wird ihnen wohlergehen.

Dienstag, 23. Januar, 5. Mose 6, 1–9

Höre Israel

Das zentrale und wichtigste Gebet für uns Christen ist das „Vaterunser“. Es gehört zu jedem Gottesdienst, es verbindet uns mit allen Christen weltweit. Der zentrale, bekannteste und wichtigste Text im jüdischen Glauben ist das „Höre Israel“, aus Vers 4 und 5, in Deuteronomium 6 deutlich hervorgehoben. Was zeichnet diesen kurzen Text aus? Es wird betont: Der Herr ist einer. Der Herr ist zu lieben, wie sonst niemand, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft. Die Verbindung zu Gott ist auf diese Art von Liebe geprägt. Dieses kurze Gebet soll immer wieder im Herzen bedacht werden. Es ist im Wortlaut bereits den Kindern bekannt zu machen, ihnen gar einzuschärfen. Meint das, dass bereits die Kinder diesen Text auswendig lernen müssen? Wer in einem jüdischen Haus zu Gast ist, sieht an den Türpfosten eine Metallkapsel. Sie beinhaltet diesen Gebetstext. So bringt sich dieses Gebet immer wieder in Erinnerung. Es soll unbedingt gegenwärtig sein. Zu bestimmten Tagzeiten wird das Gebet mit Gebetsriemen um Arme, Hände und Finger gewickelt. Eine für uns Christen etwas fremde Form der Gebetsvorbereitung.

Mittwoch, 24. Januar, 5. Mose 6, 10–25

Die Gebote einhalten

Noch ist das verheißene Land nicht betreten, noch steht dieser entscheidende Schritt bevor. Mose schwört sein Volk weiterhin darauf ein, was zu halten ist. Er ermahnt zum rechten Handeln: die Gebote Gottes, die Vermahnungen und die Rechte Gottes sind streng zu halten. Es soll nur ja niemand den Herrn vergessen. Und sie sollen immerzu wissen, wie Gott, der Herr, sie aus der Knechtschaft herausgeführt hat. So wichtig ist dies, dass es sogar eine Anleitung gibt, wie die Kinder zu unterrichten sind. Wenn der Sohn danach fragt, so gibt es eine ausformulierte Antwort. Dabei wird erneut betont, dass es der Herr war, der das Volk Israel aus Ägypten geführt hat. Der Herr hat geboten, diese Rechte einzuhalten. Und diese Gebote müssen genau so eingehalten werden, wie vom Herrn angeordnet. Die Frage drängt sich auf, warum Mose immerfort und immer wieder die gleichen Anforderungen und Ermahnungen und Gebote wiederholt. Nun, es ist ihm wichtig, dies weiterzugeben. Doch es mag auch Unsicherheit mitschwingen, ob das Volk seinem Gott treu verbunden bleibt.

Donnerstag, 25. Januar, 5. Mose 7, 1–11

Einzigartigkeit der Erwählung

In klaren und erschreckend brutalen Worten wird hier Völkermord angeordnet. Nun sind diese Zeilen kein historisches Dokument. Sie dienen dem Ziel, die in den Versen 7 bis 11 genannte Erwählung des einen, kleinen Volkes Israel durch den Herrn vorzubereiten. Die Einzigartigkeit der Erwählung aus allen Völkern braucht einen Hintergrund, auf dem sich diese Besonderheit deutlich abhebt. Dieses Wissen vorausgesetzt, erschrecken diese Textzeilen dennoch tief und irritieren auch angesichts der heutigen politisch unsicheren Situation in dieser hier benannten Region. Das Gleiche gilt für den Aufruf zur Zerstörung der Heiligtümer anderer Völker. Wer sich diese Textstellen zu eigen macht, wird sich sehr schwertun, den Frieden zu suchen mit anderen Völkern. Die Einzigartigkeit des kleinen Volkes Israel soll herausgehoben werden. Es ist von Gott nur aus einem einzigen Grund erwählt: Gott, der Herr, hat es geliebt und ist ihm treu über die Zeit hinweg bis in alle Ewigkeit. Der Herr hält seinen Bund und erwartet von seinem Volk, dass es die Gebote, Gesetze und Rechte einhält.

Freitag, 26. Januar, 5. Mose 7, 12–26

Die Segensverheißung

Luther überschreibt diesen Abschnitt mit „Verheißung des göttlichen Segens“. Doch zunächst auch hier eine Einschränkung! Den Segen gibt es nur unter der Voraussetzung der Folgsamkeit. Wenn sich das Volk dem Herrn gegenüber wohlgefällig verhält, tut, wie befohlen, dann erst erfolgt der große Segen, dann wird der Herr lieben und mehren, Krankheit wegnehmen. Fruchtbarkeit von Menschen, Tieren und bei den Erträgen des Landes sind eine sichtbare Folge dieses Segens. So weit nach dieser Vorgabe gut nach­vollziehbar. Doch nun folgt wiederum ein Textabschnitt, den widerspruchslos hinzunehmen, kaum möglich erscheint. Auch hier gibt es eine gött­liche Legitimation zum Völkermord und zur Unbarmherzigkeit. Wie anders sind diese Texte zu verstehen? Auch hier wieder der Aufruf zur Zerstörung der Heiligtümer anderer Völker. Brandgefährlich werden diese Texte in den Köpfen und Händen von Fanatikern, die diese Texte bis heute als Auftrag zum Handeln verstehen. Das sind sie nicht. Sie dienen in einer konkreten Zeit der Legitimation zur rücksichtslosen Landnahme. Sind es wahrhaftig Segensworte?

Samstag, 27. Januar, 5. Mose 8, 1–20

Wüstenwanderung als Prüfung

Auch in diesem Textabschnitt ist eine Überschrift, die den Inhalt nicht ganz abdeckt. Es geht hier nicht allein um Dankbarkeit des Volkes gegen den Herrn. Verbunden damit ist die Mahnung, den Herrn nicht zu vergessen. Hüte dich! Hüte dich! So die Mahnung in Vers 11 und in Vers 14. Würde diese Ermahnung zum unbedingten Gehorsam gegenüber den Geboten und Rechten des Herrn nicht eingehalten, drohe nichts weniger als der Tod, das Ende des Volkes Israel. So der Schluss. Doch wenden wir uns dem Anfang zu: Die Zeit der Wüstenwanderung wird als eine Prüfung beschrieben. Der Herr hat sie in diesen 40 Jahren geleitet und auch geprüft, ob das Volk die Gebote des Herrn halten würde. Erinnerungen an Begebenheiten in der Wüstenzeit werden wachgerufen, die Speisung mit Manna und Geschichten der Bewahrung. Der weitere Weg soll sie in ein gutes Land führen, das, einem Paradies gleich, dem Garten Eden ähnlich, ausgemalt wird. Das alles kann das Volk Israel haben, wenn es sich hütet, Gott zu vergessen. Gudrun Herzer

 

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