Patchworkfamilien

„Ich heirate eine Familie“ heißt die beliebte Serie mit Thekla Karola Wied und Dieter Weck, die in den 80er Jahren entstand. Zum ersten Mal wurde der Alltag einer Patchworkfamilie mit seinen Höhen und Tiefen so bunt und oft positiv dargestellt.

Heute ist jede 10. Familie eine Patchworkfamilie, Tendenz steigend. Weitere 16 % sind Einelternfamilien und 75 % leben als Kernfamilie zusammen (Elternpaar mit leiblichen Kindern).

Patchworkfamilien lernen meist nach einem Prozess, in dem diese neue Familie entsteht, gut miteinander zurechtzukommen und unterscheiden sich nicht von anderen Familienformen. Sie sind „ganz normale Familien“ und bieten Potenziale für alle Beteiligten. Wichtig ist dabei – wie in jeder Familie – eine ausreichende ökonomische Basis.

Heutzutage finden sich nach einer Trennung oft neue Partnerinnen und Partner zusammen, die leibliche Kinder aus erster Ehe oder anderen Beziehungen haben. Oft bekommen sie dann noch gemeinsame Kinder dazu. Die Kinder in einer Patchworkfamilie haben sowohl biologische als auch soziale Eltern, leibliche und soziale Geschwister, was für alle Beteiligten eine Herausforderung ist. Beziehungen zwischen Partnern, Eltern und Kindern müssen neu definiert werden. Es braucht Geduld und Toleranz, um sich neu zusammenzufinden.

Meist gibt es noch den anderen biologischen Elternteil außerhalb der neuen Familie. Wochenenden und Ferienzeiten bedeuten somit für die Kinder einen Orts- bzw. Familienwechsel. Die Anzahl von Großeltern und Geschwistern verdoppelt sich, Familienfeste werden anders, vertraute Familienrituale verändern sich völlig. Neue Familienmitglieder kommen dazu. Dieser Schritt in eine neue Familie nach den Verlusterfahrungen und der Trauer durch Trennung und Scheidung oder Tod der leiblichen Eltern muss erst verarbeitet werden. Das braucht Zeit.

Kinder, die in Patchworkfamilien leben, gibt es in nahezu allen Kita-Gruppen und Schulkassen. Für Erzieherinnen und Erzieher bedeutet das, Sensibilität für die Lebenssituation der Kinder zu entwickeln, sie zu unterstützen und ihre Sorgen und Ängste ernst zu nehmen. Die Kita bedeutet eine gewisse Stabilität für die Kinder. Sie begleitet den oft jahrelang dauernden Prozess, bei dem eine neue Familie entsteht.

Kinder aus Patchworkfamilien wollen wie alle anderen Kinder glücklich sein, mit andern Kindern spielen und lernen, Beziehungen aufbauen – sie und ihre Eltern möchten keine Sonderrolle haben! Sie möchten in ihrer Lebensform akzeptiert werden. Da ist wichtig.

Infos zur Definition, detaillierte Zahlen etc. finden Sie im Monitor Familienforschung des Bundesministeriums „Stief- und Patchworkfamilien in Deutschland ,

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Monitor-Familienforschung-Ausgabe-31,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Zur sozialen und kulturellen Heterogenität von Familien gibt es zwei gute Kinderbücher, ab 5 Jahren: Alles Familie!: Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten; Klettverlag 2010; ISBN 3941411292

Kinderbuch ab 4 Jahren: Du gehörst dazu: Das Große Buch der Familien; Fischer 2010, ISBN-10: 3737364052

Ute Dettweiler

 

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