Maria erzählt

(Fortsetzung der Erzählung aus der letzten KIKI)

Maria erzählt (die Weihnachtsgeschichte nach Lk 2,1-20)

Schön, dass ihr wieder da seid. Die Geschichte von der Geburt Jesu, die möchte ich mit euch gemeinsam erzählen. Ich habe hier einen Korb mit ganz vielen Sachen, jede/r nimmt sich daraus bitte einen Gegenstand.

Auf diesem langen Tuch legen wir beim Erzählen nacheinander die Gegenstände ab, wenn sie dran sind. Versucht jetzt mal, euch in der Reihenfolge um das Tuch aufzustellen, in der die Gegenstände vorkommen.

Die Kinder erzählen die Weihnachtsgeschichte nach Lukas mit Figuren, selbstgemalten Ortsschildern usw. (ggf. kann Maria hier oder da ordnend in die Geschichte eingreifen). Die Anzahl der Gegenstände ist abhängig von der Anzahl der Kinder, jedes Kind und jeder anwesende Teamer sollte einen Gegenstand zum Ablegen haben. Das funktioniert deshalb gut, weil die Anzahl der Hirten und Schafe ja variabel ist.

Maria erzählt abschließend:

Es war wirklich hart, so kurz vor der Geburt so weit reisen zu müssen und die Geburt im Stall … ich hatte mir das alles viel einfacher und schöner vorgestellt. Aber als die Hirten kamen und uns besuchten, da wusste ich, dass Gott uns nicht verlassen hatte. Einer hatte ein Schaffell dabei, das er uns schenkte und als meine Hand über das weiche warme Fell strich, dacht ich immer wieder nur: Bei dir bin ich geborgen, Gott! Und all die Dinge, die die Hirten über Jesus sagten, bewahrte ich in meinem Herzen.

Maria erzählt (Mt 2, 1-12)

Na und wie das nach Geburten so ist, es kam noch mehr Besuch. Von weit her sollen sie gekommen sein; kluge Männer, Sterndeuter, irgendwie eigenartige Männer. Sie hatten einen neuen, großen Stern entdeckt und waren ihm nachgegangen. „Es ist ein Königsstern“, haben sie gesagt, und so gingen sie ausgerechnet zum König Herodes. Ihr müsst wissen, Herodes regierte in Jerusalem, wie früher König David. Aber Herodes war kein großartiger König wie David. Herodes war ein grausamer König, der uns, sein Volk, quälte. Die Sterndeuter erzählten ihm von dem Stern. „Der Stern bedeutet, dass hier in Israel ein neuer König geboren ist. Wo ist er?“ fragten sie Herodes. Aber Herodes konnte ihnen nicht weiterhelfen: „Ich habe keinen Sohn bekommen. Da müsst ihr woanders suchen!“ Sie suchten also wieder nach dem Stern und fanden uns, im Stall bei Bethlehem. Sie hatten Geschenke für Jesus mitgebracht: ein Stück Gold, wie für einen richtigen König. Und Weihrauch, wie wir es benützen, um Gott zu verehren. Und Myrrhesalbe, die hilft bei fast allen Wehwehchen. Draufschmieren und es wird besser! Und viele herzensgute Wünsche hatten sie auf den Lippen.

Als sie uns wieder verlassen haben, bin ich mit ihnen vor den Stall gegangen. Ich wollte den Stern sehen. Und als ich ihn sah wusste ich, dass Gott mir auch immer ein Licht wie diesen Stern schickt, damit ich meinen Weg erkennen kann.

Maria erzählt (Lk 2, 41-52)

Seit unserer Rückkehr aus Ägypten war einige Zeit vergangen. Jesus war kein kleines Kind mehr, er war inzwischen 12 Jahre alt. So alt, wie einige von euch. (Wer von euch ist denn 12 Jahre alt?)

Wie gut, dass nach der Flucht ein paar relativ ruhige Jahre in Nazareth kamen. Ja, ja, relativ ruhig. Denn manchmal gab es Ärger wegen Jesus. An ein paar Tagen gingen die Jungen aus Nazareth zu Rabbi Baruch in die Synagoge zum Lernen. Ein wenig lesen und schreiben, hauptsächlich lernten sie Texte aus der Thora auswendig, die sie in der Synagoge aufsagen mussten. Ja und nach solchen Lernstunden kam Rabbi Baruch manchmal bei uns vorbei und beschwerte sich über Jesus. „Jesus ist unaufmerksam, Maria! Er guckt andauernd aus dem Fenster und wenn ich ihn dann etwas frage, dann ist er auch noch frech und aufsässig, als wüsste er besser Bescheid über Gott als ich!“

Wenn ich aber Josef mein Leid über Jesus klagte, dann erzählte der mir, wie aufmerksam, geschickt und fleißig Jesus in der Zimmermannswerkstatt war. Von Josef lernte Jesus gern.

Ach, was sollte ich nur von meinem Jesus halten? Manchmal machte ich mir große Sorgen um ihn, aber dann wieder war ich mir sicher, Gott wird ihn auf einem guten Weg führen.

Ein ganz besonderes Erlebnis aus dieser Zeit das will ich euch jetzt noch erzählen. Jesus war also 12 Jahre alt.

Und wie jedes Jahr einmal gingen viele aus der Dorfgemeinschaft von Nazareth nach Jerusalem zum Passafest. Ihr glaubt gar nicht, wie schön das ist! Fast das ganze Dorf ist unterwegs. Die Familien tun sich zusammen: Frauen und Männer und die größeren Kinder. Die Kleinen blieben bei den wenigen, die im Dorf zurück bleiben. Wir freuten uns jedes Mal riesig: endlich wieder einmal zum Tempel gehen, wo Gott wohnt, unser Gott!

Es war wie immer schön in Jerusalem und die Woche dort war viel zu schnell um. Jesus war dauernd unterwegs, den habe ich kaum gesehen. Oft hatte er auch bei anderen übernachtet, wie das so üblich war. Deshalb machten Josef und ich uns bei unserem Aufbruch auch keine Sorgen, weil Jesus nicht bei uns war. Alle brachen ja wieder auf, und unterwegs würden wir ihn schon sehen. Spätestens am Abend würde er kommen und uns erzählen! Aber es wurde Abend – und Jesus war nirgends zu sehen! Joseph und ich fragen die Nachbarn und Freunde aus Nazareth: „Habt ihr Jesus gesehen?“ – „Ist er bei euch gewesen?“ – Aber keiner hatte auf Jesus geachtet, keinem war er begegnet.

Da fing ich doch an, mir Sorgen zu machen: Hat er sich verlaufen? Hat er die Gruppe für den Rückweg verloren? – Seine Freunde erzählten mir, wo er mit ihnen in der Stadt überall war. Aber zuletzt war er nur noch selten mit ihnen zusammen. Also: Josef und mir blieb nichts anderes übrig, als zurückzugehen und zu suchen: zunächst in der langen Schlange der Leute, die uns entgegenkamen. Aber jede Frage nach Jesus brachte nur ein Kopfschütteln oder Nein: Er war nicht da, keiner hatte ihn gesehen.

Nach einem ganzen Tag waren wir wieder in Jerusalem. All die Plätze und Orte, von denen uns seine Freunde erzählt hatten, suchten wir ab. Am Anfang wurde ich von Straße zu Straße wütender auf meinen Sohn: Was für eine Frechheit sich Jesus erlaubte, er wusste doch, dass alle nach einer Woche nachhause gehen. Warum kümmerte ihn das nicht? Aber bald dachte ich nur noch: „Gott, mach, dass ihm nichts passiert ist!“ Ich hatte große Angst.

Schließlich gingen wir zum Tempel. Es war dort ruhiger geworden als in der Festwoche. Die Rabbiner mit ihren Lerngruppen aber saßen noch dort. Und in einer Gruppe, mitten unter den Lehrern, saß Jesus, fragte und brachte seine Beiträge ein, redete mit ihnen als sei es das Selbstverständlichste der Welt!

Wir gingen auf die Gruppe zu: “Jesus, warum hast du uns das angetan? Warum bist du hier geblieben? Wir haben dich so gesucht!“ Meine ganze Angst und Sorge, aber auch meine Wut lag in diesen Worten. Jesus antwortete nur ganz kurz: „Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich da sein muss, wo mein Vater zuhause ist? Ihr seid doch mit mir hierher gegangen. Es ist doch auch euer Gott, zu dem ich gehöre und den ich hier suche!“ Dann kam er und machte sich mit uns auf den Heimweg.

Ehrlich gesagt, ich habe nicht verstanden, was Jesus uns sagen wollte. Aber seine Worte gingen mir nicht aus dem Sinn. Irgendwie erschien mir das alles sehr geheimnisvoll. Und ich fragte mich: „Wird Jesus auch in Zukunft Wege gehen, die ich nicht verstehe?“ Na, jedenfalls habe ich all diese Worte und Gedanken in meinem Herzen behalten.

 

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