Bibellese

Sonntag, 22. April, Psalm 66

Gewaltiges Lob

Gott loben! Für große, weltumspannende Dinge genauso wie für persönliche. Gott loben! Zusammen mit anderen ebenso wie allein. All das bietet dieser Psalm. Er beginnt mit dem Aufruf zum gemeinsamen Lob über eine alte Geschichte, die alle betrifft: den Durchzug Israels trockenen Fußes durch den Jordan, der zugleich an den Durchzug durchs Schilfmeer erinnert. Er zeigt, dass Gott nicht einfach der liebe, zarte Gott ist, für den wir ihn gerade als Christen allzu leicht halten, sondern dass er über die Naturgewalten und über das Schicksal von Menschen und ganzen Völkern herrscht. Gott lässt es zu, dass man in schwierigste Situationen gerät und hilft dann doch heraus. Das gibt es auch im persönlichen Leben, wie der Sänger im zweiten Teil des Psalms bezeugt. Sein Gebet wurde erhört. Und diese Erhörung deutet er als eine Bestätigung seiner Aufrichtigkeit. Gott hat ihn erhört und sich damit auf seine Seite gestellt. Das baut den Sänger auf und motiviert ihn, Gott in den höchsten Tönen zu loben.

Montag, 23. April, Epheser 5, 15–20

Voller Dankbarkeit

Weisheit ist seit jeher die Brücke zwischen Glaube und Leben, zwischen Vertrauen und Wissen, zwischen Theorie und Praxis. Christen sollen ihren Verstand nicht aus-, sondern einschalten. Verlassen aber sollen sie sich auf Gott. Sein Wille zählt, und nicht das, was sich der Mensch ausdenkt. Die Welt zu verstehen, ist eine geistige Sache. Gott zu verstehen, eine geistliche. Das heißt, man braucht dazu Gottes Geist. Mit ihm soll man sich füllen lassen und nicht mit Alkohol oder Drogen, die den Verstand umnebeln und Gottes Geist den Platz versperren. Die Zeit mag schwierig oder böse sein. Aber mit Gott kann man trotzdem etwas aus ihr machen. Die positive Wirkung, die das gemeinsame Singen christlicher Lieder hat, kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Es macht uns von innen heraus fröhlich und hilft uns dazu, dankbar zu werden. Die Dankbarkeit ist die Haltung, die uns als Christen am angemessensten ist. Denn es gibt immer einen Grund zum Dank. Ja, es ist sogar möglich, „allezeit und für alles“ dankbar zu sein, wenn wir auf Jesus sehen.

Dienstag, 24. April, Epheser 5, 21–33

Wechselseitige Unterordnung

Über die Frage der Unterordnung von Menschen unter Menschen wird aus guten Gründen bis heute gestritten. Denn immer wieder stehen die, die oben sind oder das Sagen haben, in der Gefahr, ihre Macht zu missbrauchen. Im Gegensatz zu den anderen Haustafeln wird aber in der des Epheserbriefs klar, was die Bedingung für das Funktionieren dieses Systems ist: nämlich Aufopferung und Liebe bei denen, die vorangehen, und Freiwilligkeit und Vertrauen bei denen, die sich unterordnen. Wer vorangeht – ob es nun Männer oder Frauen sind – muss immer und vor allem die Interessen derer im Blick haben, für die er oder sie verantwortlich ist. So wie Christus es für die Gemeinde tat und tut. Wer vorangeht, muss der Diener aller sein, weil es nicht ums Herrschen, sondern ums Dienen geht. Wahrscheinlich werden in unserer Gesellschaftsordnung die Rollen dabei immer wieder wechseln. Mal geht dieser und mal jene voran – je nach Interessen und Gaben. Darum ist es auch so schön, dass es hier heißt, wir sollten uns „einander“ unterordnen. Das schließt alle ein.

Mittwoch, 25. April, Epheser 6, 1–4

Kinder und Eltern

Einer ist Herr, nämlich Christus. So kann kein Mensch letztlich Herr über den anderen sein. Jede Unterordnung – selbst die der Kinder unter die Eltern – kann damit immer nur „im Herrn“ erfolgen und niemals absolut. Auch in diesem Abschnitt kommt wieder die Notwendigkeit der Ausgewogenheit in den Blick. Die Kinder sollen ihren Eltern gehorchen. Die Eltern aber sollen ihre Kinder nicht quälen und sie dadurch nicht zornig machen. Es ist also Fingerspitzengefühl gefordert, kluges, einfühlsames Vor(an)gehen und niemals brachiale Gewalt. Dazu müssen Eltern auch die Zeit und die Nerven haben. Gibt unsere Gesellschaftsordnung ihnen die Chance dazu? Und wo nehmen sich Menschen selbst diese Chance weg? Wo verschwenden wir Kraft und Zeit an unnütze Dinge? Und woran liegt es, dass es bei uns zu wenige Kinder gibt?

Donnerstag, 26. April, Epheser 6, 5–9

Herren und Sklaven

Die Sklaven gehörten im Altertum zum Haushalt dazu. Darum werden auch sie in den sogenannten Haustafeln, den Tipps für den glaubensgemäßen Umgang im Haus, genannt. Gerade in dieser aus unserer Sicht untragbaren und zugespitzten Situation der irdischen Herrschaft von Menschen über Menschen wird deutlich: der eigentliche Herr kann niemals einer dieser Menschen sein. Sie alle haben einen gemeinsamen Herrn über sich, dem jeder von ihnen unmittelbar verantwortlich ist. Gott macht keinen Unterschied unter den Menschen. Er urteilt über die sogenannten Herren nach den gleichen Maßstäben wie über die Sklaven. Aus diesen Ansätzen wird klar, wie auf Dauer die Sklaverei aus christlicher Sicht unmöglich werden musste. Wie auch bei der Gleichberechtigung der Geschlechter hat es leider viel zu lange gedauert. Und nicht selten kann man den Eindruck haben, wir haben es immer noch nicht kapiert.

Freitag, 27. April, Epheser 6, 10–17

Entwaffnend

Häufig wird in unserer Zeit behauptet, Religion bedrohe den Weltfrieden. Gewalttätige Islamisten unserer Tage werden ebenso als Beispiel angeführt wie die christlichen Kreuzzüge des Hochmittelalters, der Dreißigjährige Krieg oder militante Abtreibungsgegner. Der Epheserbrief dagegen macht klar, dass Christen zwar in einem Kampf stehen, dass dieser sich aber nicht gegen Menschen („Fleisch und Blut“) richtet und deshalb auch nicht mit menschlichen Waffen geführt werden kann. Der Kampf geht vielmehr gegen „Mächtige und Gewaltige“, deren Kraft sozusagen in der Atmosphäre liegt. Sie wirken nicht nur bei den „bösen anderen“, sondern sie wollen auch in uns wirksam werden. Darum gilt es, sich geistlich und nicht menschlich gegen diese Mächte zu rüsten und zu wehren. Dazu dienen als Schutz die Wahrheit, die Gerechtigkeit, das Vertrauen auf Gott und das versprochene Heil; als offensive Mittel das Eintreten für die gute Botschaft des Friedens, den Christus schenkt, und das einschneidende Mittel des Geistes Gottes, nämlich sein Wort.

Samstag, 28. April, Epheser 6, 18–24

Verbundenheit

Mit dem Aufruf zum beharrlichen Gebet greift der Apostel zugleich auf den Anfang des Briefs zurück, wo er auf seine Gefangenschaft hinwies. Denn das Gebet soll auch ihn selbst einschließen. Das fürbittende Gebet verbindet alle „Heiligen“, also alle Gläubigen. Denn im Gebet treten sie vor Gott füreinander ein und tragen den Dienst der anderen mit. Niemand steht allein. Jedes braucht die Unterstützung der anderen und wird dadurch gestärkt. Wie gut, dass es über den Brief hinaus auch noch einen persönlichen Kontakt gibt. Dass der Brief mangels anderer Verteilmöglichkeiten von einem Boten überbracht werden muss, hat den Vorteil, dass der Überbringer Tychikus als Mitarbeiter des Apostels noch genauer sagen kann, wie es diesem geht, und zugleich die Gemeinde zu trösten vermag. Der Brief schließt mit einem doppelten Segen, der einerseits Friede, Liebe und Glaube für die Gläubigen erbittet und zum anderen unvergängliche Gnade für alle, die Jesus Christus lieben. Klaus Zech